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Album der Woche: K.I.Z – Görlitzer Park

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Tagged: K.I.Z

Am 21. Juni 2024 erschien K.I.Zs langerwartetes, siebtes Studioalbum „Görlitzer Park“. Wir betitelten das Album bereits als „großen Wurf“ und stehen weiterhin dahinter. Während die Berliner Rapcrew vor knapp 20 Jahren besonders durch ihren ironischen und Grenzen austestenden bis überschreitenden Humor bekannt geworden ist, steckt hinter „Görlitzer Park“ ein Album, in dem die Rapper Nico, Tarek und Maxim einen weitaus ernsteren Ton anschlagen. Auf „Görlitzer Park“ äußern sich die Drei dabei so direkt und offen über ihre Heimatstadt, Deutschland und sich selbst, wie nie zuvor.

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Görli Tag und Nacht

Der echte Görlitzer Park in Berlin dient auf diesem Album als Exempel von misslungener Sozialpolitik und Schauplatz von Diskriminierung. Aber auch als Standort einer Berliner Institution, die mit vielen negativen aber eben für die Rapper und viele (Ur-)Berliner:innen auch positiven Erinnerungen behaftet ist. Schon der erste, namengebende Track „Görlitzer Park“ erzählt von den Vorurteilen und Kontrasten, die dem Görli den Ruf eines „lawless country“ einbrachten. Nico droppt hier eine Line, die bestimmt vielen Zugezogenen, Nicht-Berliner:innen oder auch Einheimischen durch den Kopf geht, wenn sie den Park das erste Mal betreten: „Görlitzer Park, Görlitzer Park / BZ-Schlagzeil’n, was hab’n wir gelacht / Selbst Leute vom anderen Ende der Stadt sagen / „Ach krass, ist ja doch nur ein Park““.

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Natürlich wird der Görli jetzt nicht als die idyllische Grünoase Berlins dargestellt, die einfach immer missrepräsentiert wurde. Auf dem Album geht es vielmehr um gesellschaftliche Probleme wie Rassismus, Gewalt und (Drogen-)Konsum, die im Kosmos des Görlis stets eine Rolle gespielt haben, aber vielschichtigere Angelegenheiten darstellen, als es in den erwähnten BZ-Schlagzeilen beschrieben wird. Stattdessen nehmen K.I.Z verschiedene Perspektiven ein, um sozialen Missständen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Das DJ-Produzenten Team Drunken Masters hat sich für den Gesamtklang des Albums dabei auf eine elektronische Soundlandschaft geeinigt, die es schafft, den ernsten Ton des Albums einzufangen.

K.I.Z und Deutschland

Trotz kleiner Abstecher in Richtung alter K.I.Z-Ästhetik, kritisiert das Raptrio noch größere Missstände mit seinem neuen Album. Der Track „Frieden“ ist dabei der lauteste Aufschrei, sich den gängigen Kriegs- und vor allem Friedensnarrativen kritisch entgegenzustellen. Im Song selbst wird das jedoch nicht verherrlicht, sondern eher mit erhobenen Zeigefinger auf die Sisyphosarbeit gezeigt, die es braucht, um dem Konzept von Frieden gerecht werden zu können.

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Darüber hinaus widmen sich die Mitglieder auf individuellen Solo-Tracks Problemen, die sie persönlich beschäftigen und betreffen. So ist Tareks „Sensibel“ zum Beispiel ein ruhiges, nachdenkliches Lied, in dem sich der Berliner mit eigenen rassistischen Erfahrungen und Rassismus in Deutschland auseinandersetzt. Maxims‘ „Applaus“ hingegen geht mit leichtem Augenzwinkern das Konzept des Superstars an, dessen Größenwahnsinn auf der ihm geschenkten Aufmerksamkeit beruht.

Introvertiert und reflektiert – kein Witz

K.I.Z nutzen „Görlitzer Park“ außerdem auch um zurückzublicken. In „Vierspur“ erzählen die Drei von ihren Anfängen in der Berliner Rapszene. Die „Vierspur im Kinderzimmer“ dient dabei als Sinnbild für die Träume, die die Jungs damals in ihrer Schulzeit und später als junge Rapcrew hegten. Kontrast bieten dann die Beschreibungen von Schlägereien, Drogen und Blicken von ein „Paar Typen mit „White Power“-T-Shirt“.

Mit „Görlitzer Park“ widmen sich K.I.Z ihrer Heimat mit kritischen Blick, der auch nach innen führt. Der Abschlusstrack „Gewinner“ summiert dabei all das Gute und das Schlechte. Aber vor Allem die Liebe, die K.I.Z für Berlin empfinden.

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