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„Oppenheimer“ war lame, lest lieber „MANIAC“ von Benjamín Labatut

Posted in: Das Buch zur Woche

Der chilenische Autor Benjamin Labatut hatte uns schon mit seinem ersten Buch überzeugt. „Das Blinde Licht“ kam 2020 auf Deutsch raus und erzählte von vier Wissenschaftlern, die entweder wegen ihrer Arbeit dem Wahn verfielen, oder aber der Menschheit Gutes tun wollten – und am Ende großes Unglück anrichteten. Zum Beispiel Fritz Haber, dessen physikalische Verfahren zwar eine Hungerkrise vermeiden konnten, aber auch das diabolischste Werkzeug der Nationalsozialisten hervorbrachten.

Mit seinem zweiten Roman „MANIAC“ (Suhrkamp Verlag, in der Übersetzung von Thomas Brovot) hat Labatut schon wieder so ein „fiktives Werk, das auf Tatsachen beruht“ geschrieben, wie er es nennt. Und wenn ihr bei dem Titel jetzt an Verrückte denkt, liegt ihr nur so halb richtig. Zwar geht es in diesem Roman um intelligente Menschen, die manchmal dem Wahnsinn recht nahe sind. Aber auch um einen Computer namens „Mathematical Analyzer Numerical Integrator And Computer Model“. Kurz: MANIAC.

Labatuts Roman ist in seiner Form schwer zu beschreiben. Er umkreist in einzelnen Kapiteln immer wieder den Mathematiker John von Neumann. Labatut geht dabei zunächst chronologisch vor und erzählt einzelne Abschnitte aus von Neumanns Leben aus der Sicht von Weggefährtinnen oder Kollegen. Er tut das aber vor allem, um die Geschichte jener Wissenschaft zu erzählen, die uns die Atombombe, die Wasserstoffbombe, den Kalten Krieg – und die Künstliche Intelligenz brachte. Ein Wissenschafts-Thriller, der die moralischen Fragen stellt, die Christopher Nolan in seinem etwas blasierten und verlaberten Blockbuster nur andeuten wollte.

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