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What’s Poppin? – Megan Thee Stallion und Nicki Minaj graben das Kriegsbeil aus

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Kleine Eingangs-Beichte: Seit sich in meiner Teenage-Zeit Drake und Meek Mill lyrisch die Köpfe eingeschlagen haben, hat mich kein Beef so richtig tangiert. Trotzdem kommt man im Word Wide Web natürlich nicht drum herum, wenn Rap-Größen das Kriegsbeil ausgraben und so ist es am Wochenende zwischen Megan Thee Stallion und Nicki Minaj innerhalb von wenigen Tag von 0 auf 100 hochgekocht. Der Anlass: „Hiss“, die erste Single von Megan im Jahr 2024. Auf dem Cover windet sich eine weiße Schlange um den Hals der Rapperin und entblößt ihre bedrohlichen Fangzähne, man hört das bedrohliche, titelgebende Zischen schon förmlich bei diesem Anblick. Megan Thee Stallion ist im Angriffsmodus und schießt mit offensiven Bars um sich.

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Was Nickis Ehemann mit der Sache zu tun hat

Eine davon hat jetzt eine ganze Lawine von Ereignissen losgetreten: „These hoes don’t be mad at Megan, these hoes mad at Megan’s Law / I don’t really know what the problem is, but I guarantee y’all don’t want me to start“. Damit referenziert die Rapperin das sogenannte Megan’s Law, das die Handhabung von Sexualdelikten in den USA regelt. Dahinter vermuten nun viele einen Seitenhieb gegen Nicki Minaj beziehungsweise ihren Ehemann Kenneth Petty, der 1995 vor Gericht die versuchte Vergewaltigung einer 16-jährigen gestand. Nickis Antwort ließ nicht lange auf sich warten. In einem Instagram-Livestream präsentierte sie einige Zeilen eines mutmaßlichen Disstracks, der gestern dann auch veröffentlicht wurde. Darin heißt es: „Bad bitch she like 6 foot/ I call her big foot / the bitch fell off /I said get up on your good foot“.

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Damit zielt Nicki natürlich auf die Ereignisse aus dem Sommer 2021 ab, als der kanadische Rapper Tory Lanez Megan Thee Stallion aus nächster Nähe auf die Füße schoss. Inzwischen wurde er dafür verurteilt, der Prozess zog sich allerdings lange und immer wieder wurde Megan dabei von anderen Rap-Kolleg:innen als Lügnerin diskreditiert. Dass Nicki dieses Fass nun wieder aufmacht, ist irgendwie schwach – und füttert problematische Narrativen in der sowieso schon misogyn-geprägten Rap-Szene. Sowieso hat es einen blöden Beigeschmack, wenn ausgerechnet zwei der eh schon unterrepräsentierten, weiblichen Rap-Artists aufeinander losgehen – aber ein ordentlicher PR-Beef hat eben selten seine Wirkung verfehlt. 

Wie ein Album namens „Penith“ mich melancholisch gestimmt hat

Das Album des Jahres kam schon im Januar – und heißt „Penith“, eine gelispelte Version des männlichen Geschlechtsteils. Spaß beiseite, eigentlich gibt es das neue Album von Lil Dicky schon seit 2021 als Teil seiner Disney+ -Serie „Dave“ zu hören. Hier spielt sich der Satire-Rapper selbst und zeichnet seinen Aufstieg zum Erfolg oder zumindest eine alternative Version davon nach. Obwohl ich erst skeptisch war, hat mich „Dave“ richtig gekriegt und am Ende fast schon so gehooked wie zuvor „Atlanta“, von dem sich Lil Dicky einiges abschaut. Sein Mammut-Projekt in den bisher erschienen zwei Staffeln: „Penith“.

Als Zuschauer:innen nehmen wir immer wieder am Arbeitsprozess und an Prokrastinationsphasen teil und haben so zu den meisten der 22 Songs schon eine feste Szene im Kopf. Zum Beispiel bei „Jail“, wenn sich Lil Dicky innerhalb von 8 Minuten von der Bühne ins Gefängnis und durch allerlei erniedrigende Situationen rappt. Oder „My D!ck sucks“, der erste große Smash Hit vom fiktiven Lil Dicky, der alles lostritt. Aber auch melancholische Momente wie „Ally’s Song“, ein ungehemmter Freestyle, während dem Lil Dicky seine (Ex-) Freundin mit dem Auto-Tune-Effekt vertraut macht. Dass einen hier Zeilen wie „I fucked the whole thing up / I did it all backwards / Now I’m all alone with my rap verse“ tatsächlich melancholisch stimmen, ist bei all dem verdrehten Humor von „Dave“ verwunderlich – spricht aber einmal mehr für seine Vielseitigkeit.

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Skepta lässt sich (nicht) zensieren

Skepta hat es geschafft, mit seiner neuen Single „Gas Me Up (Dilingent)“ schon für Kontroversen zu sorgen, lange bevor der Song veröffentlicht war. Zurecht, schließlich erinnerte das Cover mit den kahl geschorenen Köpfen und dem (im britischen Alltags-Slang eigentlich unbedenklichen) Titel stark an dunkle Kapitel der deutschen Vergangenheit. Damit versuchte der Rapper aus London aufzuräumen, in dem sich entschuldigte und das Moodboard für sein kommendes Projekt „Knife and Fork“ offenlegte, das sich wohl mit der Skinhead-Kultur der 80er Jahre auseinander setzen wird. Trotzdem blieb unklar, ob Skepta trotz der Kritik an dem Artwork festhalten würde. Nun ist die Single da und damit auch die Gewissheit, dass sich der Boy Better Know-Chef tatsächlich dem öffentlichen Druck gebeugt hat – zumindest bedingt.

Denn das „Gas Me Up“-Artwork ist ausgetauscht. Statt einem neuen Bild erwartet uns allerdings nur eine ausgegraute Grafik mit dem Schriftzug „Image Not Found“. Damit weißt der Rapper erneut darauf hin, dass er sich und seine Kunst eigentlich nicht zensieren möchte, aber wohl doch verstanden hat, dass er sich nicht leisten kann, seine Fans gegen sich aufzubringen. Abseits von solchen Kunstfreiheits-Debatten ist „Gas Me Up (Dilingent)“ ein gelungenes Rap-Comeback, nachdem Skepta zuletzt hauptsächlich mit seinem Dance-Label Mas Tiempo aktiv war. Der triumphale Beats klingt nach Film-Credits, baut sich nach und nach auf, während Skepta von Platin-Plaketten und neuem Reichtum rappt, ganz getreu dem Motto: Alles ist wie früher, nur die Autoschlüssel sind jetzt andere.

Tierra Whack singt unter der Dusche

Tierra Whack ist zurück und hat ihr Debütalbum „World Wide Whack“ angekündigt. Damit knüpft die exzentrische Rapperin und Sängerin an ihr erstes Tape „Whack World“ an, das 2018 erschien und mit seinem „15 Songs, 15 Minuten“-Konzept für frischen Wind sorgte. Seither hat Tierra Whack mit sparsamen Singles und der „R&B“-EP bewiesen, dass sie auch vollwertige Songs schreiben kann. Nun geht es aber zurück Richtung Ein-Minüter, zumindest lässt das die neue Single „Shower Song“ vermuten. Die verspielte Bassline der neuen Nummer könnte auch von Damon Albarns Gorillaz stammen, fügt sich aber auch in die bunte Diskographie von Tierra Whack sehr stimmig ein. Man kann sich förmlich vorstellen, wie die Rapperin sich die freestyligen Zeilen unter der Dusche zusammenreimt und dabei eine gute Laune ausstrahlt, die ansteckend ist. Als Soundtrack für die eigene Badezimmer-Routine eignet sich der Song allerdings nur bedingt – außer ihr seid damit in 1:26 durch. 

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Würstchen-Party mit Limonade

Regisseur Cole Bennett baut sein Medien-Imperium aus und produziert mit seiner Firma Lyrical Lemonade nun nicht mehr nur Videos, sondern auch Musik. Zum Start dieses neuen Standbeins gibt es ein Compilations-Album mit befreundeten Acts und langjährigen Wegbegleitern – mit Ausnahme von Latto, die als einziger weiblicher Gast mit an Bord ist. Ein schmerzhafter Wermutstropfen, denn sonst liest sich das Aufgebot von „All Is Yellow“ ziemlich stark: Lil Yachty ist dabei, Eminem, Jack Harlow, Dave und sogar verstorbene Ikonen wie Juice WRLD oder 6 Dogs.

Viele der Songs wie der blink-182-Verschnitt „Hello There“ haben wir schon als Vorab-Singles hören können, aber auch die übrigen Songs lassen sich sehen und hören und bilden einen spannenden Überblick über den Lyrical-Lemonade-Kosmos. Obwohl dieser visuell ja oft ziemlich bunt und cartoonig gestaltet ist, wird das nicht zum Problem für „All Is Yellow“. Das Album ist vielleicht nicht unbedingt anspruchsvoll, aber lässt sich zu jedem Zeitpunkt ernst nehmen und lädt zu einem wilden Ritt von Trap bis Indie ein, der von Anfang bis Ende Spaß macht.

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