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5 Dinge, die wir vom neuen Depeche Mode Album „Memento Mori“ gelernt haben

Posted in: News
Tagged: Depeche Mode

Wenn man nach Jahrzehnten als Trio (und zuvor sogar lange als Quartett) auf einmal auf ein Duo minimiert wird, scheint die Frage unausweichlich: Wie weitermachen? Was kommt da noch? Vor allem, wenn man schon über 40 Jahre ohne lange Pausen oder Auflösungen und Reunions aktiv ist und schon so große Erfolge erreicht hat wie Depeche Mode. Sie müssen niemandem etwas mehr beweisen, kaum eine Band ist sowohl auf 80er-Goth-Parties, im Hitradio oder im Feuilleton so beliebt. Dennoch stellte der Tod von Andrew „Fletch“ Fletcher einen klaren Einschnitt dar. Er verstarb am 26. Mai letzten Jahres an einem Riss in der Innenhaut der Hauptschlagader.

Obwohl er nie Songs schrieb und auch live eher eine supporting role erfüllte, war Fletch unabdingbar für die Banddynamik. Er galt als Verhandler und Kommunikator zwischen den Mitgliedern, insbesondere als Sprachrohr des ruhigen Songwriters Martin Gore zum extrovertierten Sänger Dave Gahan. Diese beiden gegensätzlichen Charaktere mussten nun also zu zweit auskommen und ihr 15. Album fertigstellen. „Memento Mori“ zeigt aber, dass man sich bei Depeche Mode als Duo keine Sorgen machen muss – es bietet viel zu entdecken und einige spannende Erkenntnisse.

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1. „Death is everywhere.“

Auf dem ersten Album „Speak & Spell“ hieß es noch „I Sometimes Wish I Was Dead“, jetzt heißt es „Memento Mori“ – aus dem Lateinischen übersetzt: „Sei dir der Sterblichkeit bewusst“. Dieses Thema dominiert viele der Songs und schwingt in der Gesamtatmosphäre des Albums mit, etwa in Zeilen wie „watch another angel die“, „we’ll be ghosts again“ oder dem wohl eindeutigsten Song „Soul With Me“: „I’m ready for the final pages / Kiss goodbye to all my earthly cages / I’m climbing up the golden stairs“. Warum die Band sich dieser Gewissheit jetzt so bewusst geworden ist, hat verschiedene Gründe: Zum einen entstanden die Songs in der Pandemiezeit, in der man konstant mit dem Thema Tod konfrontiert wurde. Auch der Ukraine-Krieg und andere aktuelle Themen wie der Klimawandel lassen einen diesen Gedanken nicht verdrängen. Es gab bei Depeche Mode aber noch persönlichere Gründe, wenn man etwa an Fletchs Tod denkt (die Songs und der Titel standen allerdings schon vor seinem überraschenden Ableben, trotzdem gibt es dem Werk einen noch gespenstischeren Unterton). Zudem wurde Martin Gore in der Zwischenzeit 60 Jahre alt, was ihn zum Denken anregte: „Mein Stiefvater, der mich großgezogen hat, starb im Alter von 61 und mein biologischer Vater starb mit 68. Als ich 60 wurde, war das für mich ein heftiger Schlag ins Gesicht.“

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2. Depeche Mode sind immer noch Meister der düsteren Atmosphäre.

Auch wenn manche sie im gleichen Atemzug mit anderen Acts des bunten, fidelen Synth-Pop-Kosmos der 80er nennen mögen, waren Depeche Mode schon immer eine kompromisslos düstere Band. Nicht umsonst nennen etwa Industrial-Metal-Größen wie Rammstein oder Nine Inch Nails die Band als einen ihrer größten Einflüsse. Als „Ghosts Again“ als erste Single des neuen Albums erschien, klang es trotz der von Sterblichkeit aufgesogenen Lyrics nach einem vergleichsweise fröhlich klingenden und einprägsamen Song. Dass man dies nicht für den Rest des Albums erwarten durfte, wurde eindeutig mit dem darauffolgenden „My Cosmos Is Mine“: Sperrig komponiert, ominös und so düster wie wahrscheinlich schon seit „Ultra“ (1997) nicht mehr. Auch der Großteil der Songs auf „Memento Mori“ ist eher langsam, atmosphärisch, nachdenklich und setzt nicht auf direktes Hit-Potenzial. Die pechschwarze Stimmung erreicht ihre Höhepunkte im dreckigen „My Favourite Stranger“ und dem dramatischen Closer „Speak To Me“.

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3. Auch nach Jahrzehnten darf man noch Songwriting-Experimente machen.

Abgesehen vom ersten Album, bei dem Vince Clarke noch der Kopf hinter der Band war, gilt Martin Gore seit jeher als der Songwriter der Band. Erst seit 2005 reicht auch Lead-Sänger Dave Gahan auf jedem Album ein paar Songs ein, dennoch geht der Großteil von Martin aus. Auf „Memento Mori“ holt er sich zum ersten Mal Unterstützung: Richard Butler, Sänger der Post-Punk-Band The Psychedelic Furs, hat an vier Songs mitgeschrieben. Aber auch Dave durfte wieder zwei Songs beisteuern: „Speak To Me“ und „Before You Drown“.

4. Das Alter klingt elektronisch.

„Memento Mori“ ist vielleicht seit langer Zeit eins der elektronischsten Alben der Band. Auf den Vorgängern „Delta Machine“ und „Spirit“ war der bluesige Einfluss, den sie schon seit den 90ern oft zulassen, in Form von markanten Gitarrenriffs auf einigen Songs präsent. Im Jahr 2023 nehmen bei Depeche Mode allerdings die analogen Synthesizer das klare Spotlight, die an die 80er und an Kraftwerk erinnern. Durch die wenigen catchy Pop-Melodien kommen sie noch harscher und kälter daher. Produziert wurde das Album wie auch schon „Spirit“ von James Ford. Dieser ist mit Production-Credits für Arctic Monkeys oder Mumford & Sons nicht gerade bekannt für einen typisch elektronischen Sound, es kann also gut sein, dass sich hier vor allem Gore durchgesetzt hat. Er verfolgte einen ähnlichen Sound auch auf seinen letzten Solo-Releases.

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5. Die Band wagt einen Blick in die Vergangenheit.

Klar, wenn man schon über 40 Jahre Musik macht, kann man sich durchaus mal wiederholen. Wenn man sich die Tracklist des Albums aber anschaut, fallen mit genauerem Hinsehen immer mehr Ähnlichkeiten zu vergangenen Songs auf. Das soll nicht heißen, dass die Band aufgrund von mangelnder Kreativität in alte Muster verfällt, nein, es könnte sich um bewusste Referenzen handeln. Beispiel gefällig? „People Are Good“ erinnert an „People Are People“ (1984), „Never Let Me Go“ an „Never Let Me Down Again“ (1987), „Speak To Me“ an „Lie To Me“ (1984) und „My Cosmos Is Mine“ an „My Little Universe“ oder „Welcome to My World“ (beide 2013). Zur Thematik des Todesbewusstsein und der Finalität passt der Rückblick auf die Vergangenheit natürlich gut. Dass „Memento Mori“ das letzte Depeche Mode-Album sein könnte, wurde aber noch in keinen Statements geäußert. Hoffen wollen wir es natürlich nicht, vor allem angesichts der Tatsache, dass sie mit dem Album erneut neue, spannende Wege einschlagen.

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