Album der Woche: Apsilon – Haut wie Pelz
Schon seit drei Jahren ist Apsilon ein fester Bestandteil der Deutschrap-Szene. Für sein Debütalbum hat sich der Musiker aus Berlin Zeit gelassen, und dass das die richtige Entscheidung war, beweist nun eindrucksvoll „Haut wie Pelz“. Noch immer beherrscht Apsilon perfekt die druckvollen, trotzig gespitteten Flows, die seine frühen Singles „Köfte“ oder „Kes“ so markant gemacht haben und die nun mit „Brustumfang“ oder „Kopf im Nacken“ zurückkehren. Aber seither hat Apsilon eine neue Musikalität entwickelt und traut sich auf „Haut im Pelz“ zu mehr Melodien und ungewöhnlichen Songstrukturen.
Der Startschuss dafür dürfte der bewegende Song „Baba“ aus dem letzten Jahr gewesen sein, in dem Apsilon eindringlich Männlichkeit und Schwäche reflektiert und der immer noch ein Highlight auf dem Album darstellt. Der Sound für das Album kommt von einem perfekt abgestimmten Dreier-Gespann: Bazzazian, den viele vor allem von seinen Produktionen für Haftbefehl und Schmyt kennen, Multiinstrumentalist und Komponist Ralph Heidel sowie Apsilons Bruder Arman, der als Executive Produzent für das Projekt fungiert hat. Gemeinsam erschaffen die drei Klangwelten, die nicht nur an Rap aus Offenbach erinnern, sondern eben auch an experimentelle Balladen von James Blake und Bon Iver.
Insgesamt ist „Haut wie Pelz“ viel introspektiver und stiller als die Musik, die wir bisher von Apsilon kennen. Der Frust und Hunger, der aus seinen ersten Songs loderte, weicht hier Weltschmerz und Selbstzweifeln, aber auch Hoffnung, wie im Song „Friedensnobelpreis“ mit Caney030. Vor allem erzählt Apsilon mit „Haut wie Pelz“ auf berührende Weise die Geschichte seiner Familie, von seinen Großeltern, die in den 70er als Arbeitskräfte aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind, bis hin zu seinem eigenen Aufwachsen in Berlin. Das klingt intim und persönlich und bleibt nur eines von abertausenden ähnlichen Schicksalen – aber eben eins, das erzählt und gehört wird.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.