Alligatoah hat sich als Hochzeitsmusiker versucht – und das ist dabei rausgekommen
Anfang des Jahres haben wir in einem eher ungewöhnlichen Kontext über Alligatoah berichtet: Damals kündigte der Rapper an, über die Email-Adresse hochzeit@alligatoah.de Anfragen als Hochzeitsmusiker anzunehmen. Zu diesem zugegeben kuriosen Schritt sagte Alligatoah damals: „Jeder Musik-treibende Mensch kennt sie: die Hochzeitsanfragen. Sie sind die unterste Schublade des Bühnenlebens und landen bei mir selbstverständlich seit Jahren, mit einer Mischung aus mitleidiger Belustigung und überheblicher Verachtung, ungelesen im Spam-Ordner. Da meine nächsten großen Festival-Konzerte erst im Sommer liegen und es mir in den Stimmbändern juckt, meine neuen wie alten Lieder zu trällern, dachte ich mir heute: wieso eigentlich nicht!?“
Inzwischen hat Alligatoah diese Ankündigung wahr gemacht und in den letzten Monaten tatsächlich vier Konzerte auf Hochzeiten in ganz Deutschland gespielt. Die Locations deckten dabei das ganze Spektrum von Prunk bis Punk ab: Eine bürgerliche Stube, ein Schlösschen, ein Seeufer im Grünen und sogar ein mit Graffiti-verzierter Club war dabei.

Mindestens genauso divers fielen auch die Reaktionen auf sein Erscheinen aus. Da gab es natürlich die jungen Hochzeitspaare oder deren Trauzeug:innen, die ihn angefragt hatten und begeistert die Songs mitsingen konnten. Ganz anders stand es da um die Eltern und Großeltern, wie Alligatoah uns im Interview verrät: „…und dann gab es da die andere Fraktion, das war dann eher so die bucklige Verwandtschaft, die dann teilweise mit verschränkten Armen und etwas verdutzt in der Ecke saßen und das nicht so ganz einordnen konnten, warum der Typ jetzt so obszöne Worte in den Mund nimmt auf einer Hochzeit“.
Vier Hochzeiten, ein Musikvideo
Gerade dieser „Clash of Generations“ hat Alligatoah gereizt und spiegelt sich auch im visuellen Ergebnis seiner Gehversuche als Hochzeitsmusiker wieder. Denn ganz uneigennützig war der Rapper und Sänger natürlich nicht da: Wenn man schonmal bei so einem feierlichen Anlass auftritt, kann man doch auch gleich ein Musikvideo filmen. Gesagt, getan und so entstand das Musikvideo zum Song „Verloren“.
Wie dieses Video ausfallen sollte, hatte Alligatoah ganz klar im Kopf: „Wir wollten natürlich den Kitsch. Wir wollten die Ikea-Liebesschilder, die Latte Macchiato-Art, die bunten Luftballons, das Lametta, das Glitzer“. Alligatoah wollte die absoluten Märchen-Hochzeiten und die hat er bekommen, wie das neue Musikvideo eindrucksvoll unter Beweis stellt. Zwischen Papier-Lampignons, Blumen-Gedecken und Luftballons singt er hier über schwere Piano-Akkorden: „Schon wieder haben wir jemand’ verloren / Denn die Liebe ist der Tod für jede Gang, Gang, Gang / Macht’s gut, ihr zwei, das Glück sei euch gewogen / Wir sehn’ uns, wenn die Flamme nicht mehr brennt“.
Am Cornern mit der Senioren-Gang
Alligatoah verteufelt mit gewohntem Augenzwinkern die Ehe als ewige Zweisamkeit, in der jedes Treffen mit Freund:innen erstmal mit dem/der Partner:in besprochen werden muss. Dieses Szenario klingt bekannt, trotzdem übertreibt der Rapper natürlich ganz bewusst: „Ich habe in ‚Verloren‘ ein Klischee besungen, was es natürlich gibt, was aber nicht der einzige Weg ist, wie eine Liebe sich entwickeln kann und wie eine Liebe gelebt werden kann.“ Wie das aussehen kann und wie er sich seinen eigenen Lebensabend vorstellt, verrät uns Alligatoah wenig später: „Es gibt auch neue Modelle, das anders zu machen und Freundeskreise mit in sein Alt-werden zu nehmen und irgendwann vielleicht sogar nicht dieses Bild zu haben, von dem Senioren-Paar, die auf der Bank sitzen, sondern von der Senioren-Gang, die auf der Bank sitzt.“
Zurück zu den Hochzeitskonzerten: Die Adresse hochzeit@alligatoah.de ist jetzt für’s Erste wieder dicht und weitere Anfragen werden ignoriert. Aber natürlich ist der Musiker unermüdlich wenn es darum geht, sich neue Projekte auszufuchsen: „Keine Ahnung… ‚Alligatoah spielt in den schönsten Lüftungsschächten des Landes’….und dann spiel ich so drei, vier Konzerte in Lüftungsschächten“. Für wie voll man diesen Masterplan nehmen darf, sei mal dahingestellt, sicher ist aber: Irgendwas wird sich Alligatoah schon einfallen lassen.
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