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Anton Corbijn im Fotografiska: Der Mann, der Musikkultur ein Gesicht gab

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Wer an ikonische Bilder von Depeche Mode, U2 oder The Rolling Stones denkt, denkt oft auch an ihn – vielleicht ohne es zu wissen. Anton Corbijn hat in den letzten fünf Jahrzehnten nicht nur Musiker:innen fotografiert, sondern mitgeprägt, wie wir sie sehen. Jetzt widmet ihm die Fotografiska Berlin ab dem 9. Mai 2026 die große Retrospektive „Corbijn, Anton“.

Fast 150 Werke aus 50 Jahren Karriere

Die Ausstellung versammelt rund 150 Arbeiten aus Corbijns Archiv – darunter berühmte Porträts von Tom Waits, Martin Scorsese, Marlene Dumas sowie deutschen Ikonen wie Nina Hagen, Herbert Grönemeyer und Wim Wenders. Zu sehen sind nicht nur seine bekanntesten Motive, sondern auch persönlichere Arbeiten und Lieblingsstücke, die seltener öffentlich gezeigt wurden. Kuratiert wurde die Ausstellung in enger Zusammenarbeit mit Corbijn selbst.

Corbijn: Vom niederländischen Inseljungen mitten in die Musikszene

Corbijn wuchs auf einer kleinen niederländischen Insel als Sohn eines Pfarrers auf. Musik wurde früh zum Rückzugsort, die Kamera zum Werkzeug. Sie half ihm, mit seiner eigenen Schüchternheit umzugehen – und Menschen näher zu kommen. 1979 zog er nach London, mitten hinein in eine Stadt voller Energie, neuer Sounds und Bands wie The Clash, The Jam und Joy Division. Nur zehn Tage nach seiner Ankunft fotografierte er bereits Joy Division – angeblich im Auftrag eines großen niederländischen Magazins. Offiziell beauftragt war er damals allerdings nicht.

Corbijns Bilder erkennt man oft sofort: grobkörnig, schwarz-weiß, roh und direkt. Keine sterile Hochglanzästhetik, sondern Fotos mit Atmosphäre. Corbijn interessiert nicht die perfekte Oberfläche, sondern der Moment dahinter. Genau deshalb wurden seine Arbeiten für viele Artists mehr als nur Promo-Fotos. Für Depeche Mode entwickelte er über Jahre eine prägende visuelle Identität, mit U2 arbeitet er seit über vier Jahrzehnten zusammen. Seine Kamera dokumentiert nicht nur Karrieren – sie erzählt sie mit.

„Corbijn, Anton“ – mehr als Nostalgie

„Corbijn, Anton“ ist keine reine Rückschau auf alte Musikkultur-Momente. Die Ausstellung zeigt, wie stark Bilder unser Verständnis von Musik und Kultur formen. Viele dieser Gesichter, Posen und Looks sind längst Teil kollektiver Erinnerung geworden. Wer erleben will, wie Fotografien ganze Musikgenerationen geprägt haben, sollte hier vorbeischauen: Fotografiska Berlin zeigt ab dem 9. Mai 2026 die große Retrospektive „Corbijn, Anton“. Begleitend erscheint außerdem das Buch „Corbijn, Anton“, veröffentlicht bei Hannibal Books.

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