badmómzjay mit Frauenhass und Clickbait konfrontiert
Die Rapperin Badmómzjay hat in einem viel beachteten Interview mit dem Magazin Stern offen über ihren Schwangerschaftsabbruch im Jahr 2024 sowie eine von Gewalt geprägte Beziehung gesprochen. Sie schilderte darin detailliert, wie sie unter psychischem und körperlichem Missbrauch litt und sich in einer extrem belastenden Lebenssituation befand. Die Entscheidung gegen die Schwangerschaft sei vor allem auch durch die toxische Partnerschaft beeinflusst gewesen. Nach der Trennung habe sie zudem mit Stalking, Drohungen und Polizeieinsätzen umgehen müssen. Ihre Offenheit wurde zunächst von vielen als mutig und wichtig aufgenommen, da sie ein gesellschaftlich sensibles Thema aus persönlicher Perspektive beleuchtet.
Für Kritik sorgte jedoch kurz darauf ein Social-Media-Beitrag des Rap-Portals Raptastisch, das nicht ihre Schilderungen in den Mittelpunkt stellte, sondern ein Zitat ihres Ex-Freundes hervorhob. Dieser bezeichnete sie im Zusammenhang mit dem Schwangerschaftsabbruch als „Mörderin“ und begründete dies unter anderem religiös. Durch die zugespitzte Darstellung wurde die Täterperspektive stark betont, was viele als bewussten Clickbait werteten. In den Kommentarspalten entwickelte sich daraufhin schnell eine aufgeheizte Debatte, in der sich zahlreiche Nutzer gegen Badmómzjay positionierten und teils frauenfeindliche oder stark polarisierende Aussagen verbreiteten.
Badmómzjay reagierte selbst öffentlich auf die Situation und kritisierte insbesondere den Umgang mit sensiblen Themen durch solche Beiträge. Sie warf Raptastisch vor, gezielt Reichweite auf Kosten von Betroffenen zu generieren und damit Frauenhass aktiv zu verstärken. Unterstützung erhielt sie unter anderem aus der Deutschrap-Szene, wo ebenfalls Kritik an der einseitigen Darstellung und den toxischen Reaktionen laut wurde. Der Vorfall entwickelte sich dadurch über den Einzelfall hinaus zu einer breiteren Diskussion über Medienverantwortung, Clickbait-Kultur und den Umgang mit Themen wie Abtreibung, Gewalt in Beziehungen und weiblicher Selbstbestimmung im öffentlichen Diskurs.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.