Breakbeats und Sehnsucht: Okfella will echte Nähe statt „Facetime“
Wer schonmal eine Fernbeziehung geführt hat, weiß nur allzu gut, wie schwierig es ist, auch über die Distanz ein Gefühl von emotionaler Nähe zu wahren. Dieser Problematik widmet sich der Berliner Rapper und Boloboys-Member Okfella in seiner aktuellen Single „Facetime“ auf rasanten Drum ’n’ Bass-Rhythmen.
Skaten, Berlin und eine lebensverändernde Bolognese
Okfella kommt aus Eisenhüttenstadt, einem Ort am östlichsten Zipfel Deutschlands, der seit der DDR-Zeit langsam aber sicher zur Geisterstadt wird und seine Einwohner:innen verliert. Auch Okfella zieht hier irgendwann weg, ins nahe Berlin, wo alles möglich scheint und die Welt einen mit offenen Armen empfängt. Schon zuvor entdeckt er durch seinen älteren Bruder die Skate-Szene für sich und in diesem Kontext lernt er auch als Jugendlicher einen wichtigen Gleichgesinnten kennen: Makko. Beide begeistern sich für Rap-Musik und versuchen sich bald gemeinsam selbst daran, erste Texte zu schreiben und aufzunehmen. Aus ersten Skizzen und Soundcloud-Releases werden bald immer professionellere Songs, parallel dazu lernen Okfella und Makko weitere junge Musiker kennen, die auf der selben Wellenlänge schwimmen: Toobrokeforfiji, Beslik Meister, Can mit Me$$r, Sin Davis und Loco Candy. Bei einer ersten gemeinsamen Spaghetti Bolognese entsteht die Entscheidung, eine Crew zu gründen: Die Boloboys sind geboren.
Breakbeats und Sehnsucht
In dieser erlesenen Runde, sowie mit zahlreichen Solo-Projekten wie zuletzt „Blaue Schmetterlinge“ macht sich Okfella zunehmend einen Namen in der jungen Deutschrap-Szene und entwickelt seinen Style dabei stetig fort. Aus Cloudrap und Playboi Carti-Type Beats werden zunehmend gewagtere Stücke. Der „Soundtrack meines Lebens“ klingt zeitgeistig und technoid, außerdem scheint sich Fella auch für das aktuelle Drum ’n’ Bass- und Jungle-Revival zu interessieren. Das kündigte schon die kürzliche Single „Nur an dich gedacht“ an und der neueste Song „FaceTime“ erkundet diese Richtung nun weiter.
Hier schimmern verspulte Synth-Samples, eingebettet in rasselnde Breakbeats, wie wir sie aus den 90ern kennen und auch dieser Tage immer öfter hören. Mit seiner charakteristischen tiefen Stimme rappt der Newcomer über eine Fernbeziehung: „Ich will deine Nähe spüren, nein, scheiß auf FaceTime / Melodien in mei’m Kopf, ich denk an dich und ich bin high“. Okfella erzählt dabei aber mehr in abstrakten Wortmalereien als in konkreten Situationen und erschafft so ein Moodboard vom Leben im lauten Berlin, das manchmal eben nur durch die richtige Form von Zweisamkeit entschleunigt werden kann.
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