Cardi B ist fresher denn je
Im deutschen Rap ist es seit jeher gang und gäbe sich bei den großen KünstlerInnen in Übersee zu inspirieren. Zynische Zungen wie die des Meme-Accounts „Clo1444“ werfen deutschen RapperInnen regelmäßig Plagiatsvorwürfe vor und bereiten entblößendes Material vor, um ihren Vergleich zu stärken. Abgerundet wird das mit der neuen, ironischen Catchphrase „Deutschrap ist fresher denn je“, welche ursprünglich von Eno kommt.
Doch Cardi B und Shirin David scheinen den Spieß umzudrehen: Das neue Video zu „Up“ des wohl größten US-amerikanischen weiblichen Rappers beinhaltet neben der allgegenwärtigen, visuellen Opulenz nämlich auch einige Motive, die Fans von Shirin David bekannt vorkommen dürften. Ob es das Cover zur Single ist, welches eine erschreckende Ähnlichkeit zum Albumcover von „Supersize“ (dem Debütalbum von David) aufweist oder etwa das gläserne Outfit samt durchsichtiger und geschwungener Maske ist, welches man als Shirin-Ultra natürlich aus dem Video zu „Ice“ kennt, die ästhetische Ähnlichkeit lässt sich stellenweise nicht von der Hand weisen. Auf den Umstand angesprochen, erklärt die 25-Jährige per Instagram-Story: „Ich liebe es mich selbst von anderen Frauen inspirieren zu lassen und genau so liebe ich es andere Frauen zu inspirieren“, ob nun Zufall oder nicht, sei der Hamburgerin herzlich egal.
Cardi B – Up
Schön zu sehen, dass Empowerment auch bedeuten kann, Inspirationen sowie Einflüsse zu teilen und das eigene Ego hinten anzustellen. „Up“ ist jedenfalls ein überaus sehenswertes Video, welches übrigens die erste Veröffentlichung seit dem Welthit „WAP“ ist. „Birkin Bag, Bardi back“ und wir sehnen uns nach mehr Output von Cardi.
Update (09.02.2021): Unserer Redaktion wurde zugetragen, dass sich Shirin David für ihr Cover von „Supersize“ von einem Foto von Donatella Versace hat inspirieren lassen, welches von Herb Ritts geschossen wurde. Für die Maske aus „Ice“ scheint die Rapperin die berühmten Clermont Twins als Inspirationsquelle genutzt zu haben.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.