Wegen „Kultur toxischer Männlichkeit“: Kalifornisches Label Burger Records stellt Betrieb ein
Während der Großteil der Musikwelt im Jahr 2007 damit beginnt, seine Musik entweder digital oder auf Vinyl bereitzustellen, schlagen Sean Bohrman und Lee Rickard im kalifornischen Fullerton einen mutigen anderen Weg ein: Mit viel Enthusiasmus suchen sie zunächst nur nach einer Möglichkeit, die eigene Musik möglichst kostengünstig unters Volk bringen zu können. Der Kassetten-Markt liegt in dieser Zeit am Boden, warum sollte man dieses Medium nicht einfach wiederbeleben? Schnell entwickelt sich das Label zu einer der weltweit angesagtesten Anlaufstellen in Sachen Garage Rock, Power Pop, Punk, Shoegaze und Psychedelic Rock. Obwohl es nie einen richtigen Plan gab und das Label immer in DIY-Manier geführt wurde, kann Burger Records heute auf hunderte Veröffentlichungen zurückblicken, darunter unter anderem Alben von Thee Oh Sees, Ty Segall, The Black Lips, Brian Jonestown Massacre, King Khan oder Cosmonauts. Neben der Plattenfirma und dem dazugehörigen Plattenladen gehörten auch ein Online-Fernsehsender oder das Burgerama Festival zum Unternehmen. Nachdem in den letzten Tagen über die Instagram-Seite eine Reihe von anonymen Anschuldigungen wegen sexuellen Fehlverhaltens und Missbrauchs von Künstlern (darunter Mitglieder von The Growlers, The Frights, The Buttertones, SWMRS und Cosmonauts), Inhabern und Angestellten des Unternehmens öffentlich wurden, gab das Label nun bekannt, seinen Betrieb komplett aufzugeben. Zunächst war geplant, das Label unter dem Namen „BRGR RECS“ und unter Leitung von Jessa Zapor-Gray fortzuführen und mit „BRGRRRL“ zudem eine Plattform für Künstlerinnen zu schaffen. Zapor-Gray stellte heute allerdings klar, dass es nicht möglich sei, das Label neu aufzustellen, was vor allem auf das Klima toxischer Maskulinität zurückzuführen sei.
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