„Das Orangenlied“: AnnenMayKantereit über den Lauf der Dinge
Die Vergänglichkeit der Dinge ist die wohl beängstigende Gewissheit überhaupt. Die Zeit scheint gegen alles Leben zu spielen, indem sie unaufhaltsam weiterzieht – und dass meist so weit im Hintergrund, dass man es lange nicht bemerkt. „Es ist so verrückt wie viel Zeit vergeht / Wie unglaublich viel Zeit / Ohne, dass man es sieht“, so äußern sich AnnenMayKantereit in ihrem neuen Song „Das Orangenlied“ über genau dieses Phänomen.
Bereits die Geschichte hinter der Single hat das Potenzial, den Zuhörer:innen Tränen in die Augen zu treiben. Sie erzählt von dem erstickenden Gefühl, das einkehrt, wenn man merkt, wie die Zeit über die Jahre vorbei rennt und zu einem Erinnerungs-Brei verschwimmt. Man merkt es an sich selbst, an der Welt und, besonders schlimm – an den eigenen Eltern.
AnnenMayKantereit – Das Orangenlied
So beschreibt Henning May in einem ebenso poetischen wie persönlichen Text genau diesen Zustand und erzählt von seinem Vater, der immer an früher denkt, wenn er Orangen schält. Der Song erinnert daran, dass man sich durchaus erlauben sollte, hin und wieder in der Vergangenheit zu schwelgen – denn Geschichten, die zu lange nicht erzählt werden, verblassen irgendwann gänzlich.
„Das Orangenlied“ widmet May daher seinem Vater, der gerade in Ruhestand gegangen ist – was für Henning so einen Moment des „Ach-wie-schnell-die-Zeit-vergeht“-Erschreckens bedeutet haben dürfte. Textlich ist der Song wie immer zutiefst berührend und emotional: „Man kann Muttersprache vergessen / Wenn niemand sie mit dir spricht / Man kann nie genug lieben / Wenn niemand sagt ich liebe dich“. Und ob es an der Melancholie liegt, die im Dezember ohnehin in der Luft liegt oder daran, dass der Song wirklich einen ganz besonderen Nerv trifft: Man möchte am liebsten in den eigenen Fotoalben blättern und die Vergangenheit kurz aufleben lassen.
„Mein Vater denkt an früher, wenn er Orangen schält. Das ist keine Metapher, das ist so. Es gibt Gegenstände, Melodien, Filme, Früchte und Gerichte, die uns helfen uns zu erinnern. Sie geben Erinnerungen einen Ruck. Und weil es so viele Geschichten gibt, die wir aus verschiedensten Gründen nicht erzählen, brauchen wir diesen Ruck. Weil Geschichten vergessen werden, wenn niemand sie erzählt“, so Henning May über den Song.
Auf Spotify sucht man die Single übrigens leider vergeblich, alleine die Live-Version auf Youtube ist zum Streamen verfügbar – was „Das Orangenlied“ umso besonderer macht.
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