Eine Debüt-EP wie eine Gefühlsachterbahn: Billotin fühlt sich „Extroinvertiert“
„Extroinvertiert“ – ein Neologismus, ein Wort, das es so gar nicht gibt und doch fühlt man sich von dem Titel der Debüt-EP von Billotin seltsam verstanden. Das Werk behandelt die Höhen und Tiefen des Lebens, hochfliegende Euphorie trifft auf verzweifelte Überforderung – alle Emotionen sind erlaubt und willkommen.
So finden sich auf den sechs Songs von „Extroinvertiert“ sehr persönliche Einblicke in die Innenwelt von René Billotin. Mit Zeilen wie „Kann das jetzt nicht sagen, was ich fühl, Augen werden nass und ich überspiel zu schlecht / Was ist los, René“ im Song „Manieren“ räumt der Newcomer innerlich auf, stellt sich seinen Unsicherheiten und bietet seinen Zuhörer:innen eine Identifikationsfläche.
Musikalisch vereint „Extroinvertiert“ eingängige Popmelodien mit kantigen Rock-Elementen und substanziellem Songwriting. Im Song „Atlantis“ wird dieser Sound ergänzt durch die klare Kopfstimme von Billotin sowie aufgeregte Synthies und eine generelle Aufbruchsstimmung, welche den spannenden Einstieg in das Werk bildet.
In „Nackt“ setzt sich Billotin ganz offen mit seinen Problemen, eine funktionierende Beziehung zu finden, auseinander und spricht damit der von Situationships geplagten Gen Z aus der Seele. Dabei bleibt vor allem das fuzzige Gitarrenriff im Kopf, das im Kontrast zum smoothen Pop-Instrumental steht.
Musik als einzige Option
Als Billotin nach dem Studium nach Hamburg zog und ein Praktikum begann, merkte er bald, dass er sich auf Musik konzentrieren muss, sonst drohte seine mentale Gesundheit, ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen. So kommt die Debüt-EP kommt mit einer spürbaren Dringlichkeit, in der die Emotionen und Erzählungen regelrecht aus dem Wahlhamburger rausplatzen: echte Gedanken, die „Extroinvertiert“ nicht nur authentisch, sondern auch nachvollziehbar und nahbar machen.
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