Der Künstler Timor ist der Hoffnungsträger von Bonn
Die gigantische Welle an Rap-Newcomer:innen, welche Deutschland vor einigen Jahren erfasste, scheint einfach nicht abzuflachen. Während der Untergrund in Berlin am überkochen ist, gibt es auch einige andere deutsche Städte, die ihr sprichwörtliches Pferd ins Rennen schickt um die Deutschrap-Welt zu erobern. Das wirklich Schöne dabei: So ziemlich jeder Artist bringt ganz eigene Einflüsse und ein eigenes Verständnis für die Zukunft des Deutschrap-Sounds mit. Es gibt aber auch noch die Künstler:innen, die sich vollkommen der Marschrichtung der eigenen Heimat entziehen und komplett konträr zu dem stehen, wofür die eigene Stadt bekannt ist.
Timor – Bad Trip
Genau so ein Künstler ist Timor aus Bonn. Schon an seinem Namen (der aus dem Lateinischen kommt und soviel wie Angst oder Furcht bedeutet) erkennt man, dass er keinen für die ehemalige Hauptstadt üblichen Straßenrap á la Xatar, Ssio oder Die P macht. Mit dem 2CB-Kollektiv (englisch ausgesprochen) kreierte der junge Rapper zeitgemäße Raptracks, die seinen Anspruch und seine Liebe für’s Detail verdeutlichen. Ein gutes Beispiel ist der Rap-Brecher„Caution“, dessen Video im Dezember letztes Jahres bei den Kollegen von 16Bars Premiere feierte. In den Credits ist vermerkt, dass Timor den Song produziert, gemischt und sogar gemastert hat. Der junge Herr gibt scheinbar ungern Dinge aus den Händen, was ein starkes Zeichen für künstlerische Selbstbestimmtheit ist. Sowohl an seiner Erscheinung, als auch an seinen Lyrics erkennt man, dass Timor viel tief greifendere Einflüsse hat und gerne gegen den Strom schwimmt.
Timor – Caution
Fast Forward zu heute, denn oben angedeutete Einflüsse finden sich in seinem phänomenalen Song „Bad Trips“ wieder. Timor bringt nämlich nicht nur versierte und ausgeklügelte Texte mit, sondern auch einiges an Chor-Erfahrung. Mit seiner markdurchdringenden Stimme schafft es der Bonner, ein ganz besonders Gefühl beim Hören zu wecken. Oder einfacher ausgedrückt: Timors Stimme berührt einen und lässt nicht mehr los, schließlich klingt „Bad Trips“ nicht nur atmosphärisch und düster, sondern entpuppt sich auch als astreiner Ohrwurm. Über den Drum ’n’ Bass Twist müssen wir an der Stelle fast schon gar nicht mehr sprechen, dieser Stilbruch istmit den Adjektiven „mutig“ und „kongenial“ wohl am präzisesten beschrieben.
Timor der Hoffnungsträger
Kein Wunder also, dass Xatar (welcher bekanntermaßen schon immer einen unfassbaren Riecher für Erfolg und Qualität hatte) gestern ein Statement veröffentlicht hat, in dem er sein vielleicht spannendstes Signing auf Goldmann-Music als den „künstlerisch krassesten Act“ mit dem er bisher arbeiten durfte bezeichnet. Wir sind jedenfalls gespannt zu sehen in welche Richtung sich Timor noch entwickeln wird und freuen uns, ihn jetzt schon auf dem Schirm zu haben. Schließlich könnte er frischen Schwung in den Deutschen Hiphop-Kosmos bringen.
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