Der Rhythmus regiert auf der neuen EP von Little Simz
Zehn Jahre ist es her, seit UK-Rapperin Little Simz mit „Drop 1“ den ersten Part ihrer mittlerweile siebenteiligen EP-Reihe veröffentlicht hat. Am Freitag überraschte die Sängerin ihre Fans mit dem jüngsten Teil „Drop 7“, auf dem sie sich in so nie dagewesene, rhythmische Clubsphären vorwagt und ihren Sound wie so oft erweitert.
Musikalischer Snack
Sieben knackige Songs, auf den Punkt produziert und so voll von musikalischen Experimenten und Einflüssen aller Art sind, dass man als Hörer:in nach der unglaublichen Gesamtdauer von gerade einmal 15 Minuten völlig geplättet zurückbleibt. Aber auch angefüllt mit neuen Eindrücken und natürlich der allgegenwärtigen Bewunderung gegenüber einer Frau, die im Jahrestakt mit neuen Releases die Grenzen ihres Heimatgenres Rap auslotet und neu setzt.
Von Brasilien nach Südafrika
Die EP startet bereits mit ordentlich Tempo und macht in ihren ersten Tracks einen Ausflug in Richtung Brazilian Funk, der Little Simz ausgesprochen gutsteht. Ein treibender Rhythmus peitscht vom ersten Song „Mood Swings“ bis zum Ende durch, über den die Britin jedoch relativ kühl und unbeeindruckt drüber jagt. In „Fever“ wechselt sie dann ziemlich überraschend ins Portugiesische und macht zwischenzeitlich auch inhaltlich einen Ausflug nach Südamerika: „I’m out in Rio with me and my dogs / Test driving all of these different cars“.
Danach geht der wilde Ritte durch die Genre-Welten noch weiter: „Torch“ ist ein chaotischer Club-Banger nach britischer Machart, „SOS“ erinnert an südafrikanischen Amapiano und „Far Away“ ist wohl der sanfteste Jersey-Beat, den wir seit langem gehört haben.
Insgesamt hat man das Gefühl, man erhält einen – wenn auch viel zu kurzen – Einblick in einen genialen Kopf, der kurz vorm Platzen ist, vor lauter Input und Songskizzen. Einfach Musik raushauen, wenn es eben an der Zeit ist, statt monatelangen Promoquatsch vor sich her zu schieben – dass können sich gerne ein paar Künstler:innen von Little Simz abschauen. Auch wenn wir einem Release in voller Länge nach den von der Kritik gefeierten Alben „No Thank You“ und „Sometimes I Might Be Introvert“ nach wie vor sehnsüchtig entgegenblicken – aber das Jahr fängt ja auch gerade erst an.
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