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Die 10 besten Songs 2023 international

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Auf das Zusammenstellen unserer Bestenlisten freuen wir uns alle Jahre wieder. Oft ist dieser, von langen Diskussionen begleitete Prozess auch für uns die Chance, zum ersten Mal ganz in Ruhe auf das Popjahr zu blicken. Diesmal stellten wir dabei fest: 2023 wurde maßgeblich von Musikerinnen geprägt – sei es im Rap, oder auch im Indie. Und wir merkten: Viele der Lieder aus dieser Top 10 sind zeitlos schön und werden uns todsicher auch in 20 Jahren noch gefallen.

The Beaches – Blame Brett

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Um das noch einmal klarzustellen: Diese tolle kanadische Gitarrenband spricht sich tatsächlich wie „The Beaches“, also die Strände, und nicht wie „The Bitches“. Das lag ihnen bei unserem Studiointerview vor einigen Tagen auf dem Herzen. Jordan Miller (Lead Vocals, Bass), Kylie Miller (Gitarre, Backing Vocals), Leandra Earl (Keyboards, Gitarre, Backing Vocals) und Eliza Enman-McDaniel (Drums) klingen auf ihrem zweiten Studioalbum „Blame My Ex“ ein wenig poppiger als noch auf dem Debüt. Vor allem im Opener und Hit „Blame Brett“ finden sie die perfekte Balance aus Indie, New Wave und ihrer Liebe zum Pop der letzten Jahre. Jordan verarbeitet im Song ihre letzte Trennung von einem Typen, der vielleicht sogar im Real Life Brett heißen könnte. Aber sie und ihre Bandkolleginnen machen daraus keine Sad-Girl-Hymne: Jordan beschließt nämlich, jetzt selbst mal für eine Weile in Sachen Dating ein wild rum vögelndes Egoistinnen-Arschloch zu sein: „I’m sorry in advance / I’m only gonna treat you bad / I’m probably gonna let you down / I’m probably gonna sleep around / So sorry in advance / Before you take off your pants / I wouldn’t let me near your friends / I wouldn’t let me near your dad.“ Wer sich danach beschweren will, kann sich gerne bei Brett ausheulen …

The Last Dinner Party – Nothing Matters

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The Last Dinner Party haben sich in diesem Jahr Song für Song in all unsere Indie-Playlisten geschlichen. Ihre Debüt-Single „Nothing Matters“ ging wie ein Lauffeuer durchs Netz und katapultierte die fünf Musiker:innen aus der Londoner Underground-Szene auf den Radar der restlichen Welt. Keine andere Single hätte das so gut leisten können, wie „Nothing Matters“, die von den bisher vier veröffentlichten, definitiv die eingängigste ist.

Der Song portraitiert perfekt die Essenz der Band. Er hat diese Coming-Of-Age-Main-Character-Energy und zeigt gleichzeitig die musikalische Range von The Last Dinner Party: Irgendwo zwischen glitzerndem Art-Rock, sanftem Dream-Pop, ABBA-Chören und Bowie-Eleganz. Gepaart mit ihrer Barock-Aesthetik à la Marie Antoinette erschaffen sie eine dichte Welt und einen Sound, den wir irgendwie vermisst haben.

Ice Spice, PinkPantheress – Boys a liar, Pt. 2

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2022 hat Lil Uzi Vert mit „Just Wanna Rock“ die ganze (Rap-) Welt in ein regelrechtes Jersey Club-Fieber versetzt. Die stampfenden Beats von der Eastcoast waren in Folge quasi überall und eigentlich fast schon wieder etwas abgenutzt – bis PinkPantheress und Ice Spice mit „Boy’s a Liar, Pt. 2“ eindrucksvoll gezeigt haben, dass wir diesen Sound vielleicht doch noch nicht satt haben. Das liegt vor allem in der einmaligen Kombi, den mit diesem Song kollidieren ganze Welten: Der schüchterne Y2K-RnB von PinkPatheress trifft auf den selbstbewussten New Yorker Drill von Ice Spice. Auf der verspielten Produktion von Mura Masa laufen beide zur Höchstleistung auf und strahlen als Girlboss-Besties eine Energie aus, die geradezu ansteckend ist. Ein schlechtes Feature kann einen Song bekanntlich in wenigen Sekunden ruinieren – „Boy’s a liar, Pt. 2“ zeigt dagegen, dass der richtige Gast aus einem sowieso schon starken Song einen echten Hit machen  kann.

Miley Cyrus – Flowers 

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2023 ludt uns Miley Cyrus mit ihrem Album „Endless Summer Vacation“ auf einen endlos erscheinenden Sommerurlaub ein. Und was nach guter Laune, praller Sonne und frischer Meeresluft klingt, sollte sich auch im Sound des Albums widerspiegeln. Den Beweis dafür liefert bereits im Januar 2023 „Flowers“, der im ersten Moment vielleicht die Fans ihrer großen Pop-Hits ein wenig enttäuschte – denn hier ging es recht analog zu, im Bass unter dem Refrain geradezu funky und alles in allem sehr laid back und erwachsen.

In „Flowers“ gab es vielleicht nicht die wilde Pop-Miley, die sich viele immer noch wünschen, zu hören. Dafür hörte man dem Lied aber an: Ihr scheint es besser denn je zu gehen. Die Lyrics und auch das Musikvideo strahlen nur so vor Selbstliebe und Zufriedenheit – und ließen gerade deshalb die Gerüchteküche um ihr Liebes-Aus mit Liam Hemsworth extrem aufkochen. Doch egal ob „Flowers“ eine Abrechnung mit Mileys Ex-Mann ist oder eher ein Ausdruck ihres eigenen Wohlbefindens: Der Song versüßte uns auf ganzer Linie den Sommer und war einer der hartnäckigsten Ohrwürmer in diesem Jahr.

Lana Del Rey – A&W

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Das aktuelle Album von Lana Del Rey ist von Anfang bis Ende brillant, aber der Song „A&W“ legt noch eine Schippe drauf. Sieben Minuten und 13 Sekunde dauert er, davon nicht eine einzige langweilig. Das liegt zum einen am Songwriting: Der Song beginnt als folkige, zarte, dunkel schimmernde Lana-Ballade – und kippt überraschenderweise auf halbem Weg zu einem Rapsong. Ungefähr bei Minute 3.30 dimmt sie den Song langsam runter, bis nur noch ihre Stimme zu hören ist, dann ertönt langsam ein Brummen im Hintergrund, wächst sich zu einem Beat aus, gewinnt an Kraft, tanzt mit diversen Störgeräuschen und kurz bevor man denkt, man wäre in einen Zola-Jesus-Song geraten, verfällt Lana in Sprechgesang und zeigt uns eine Nuance ihrer Stimme, die man lange nicht mehr gehört hatte. Auch die Lyrics sind classic Lana. „A&W“ steht für „American whore“ und im Text geht es mal wieder durchaus explizit zu: „Call him up, come into my bedroom / Ended up, we fuck on the hotel floor / It’s not about havin‘ someone to love me anymore / This is the experience of bein‘ an American whore.“

Jack Harlow – Lovin On Me

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Dem Charme von Jack Harlow konnten wir uns auch 2023 nicht entziehen. Ja, der Typ ist quasi ein wandelnde Schmalzlocke und manchmal so cheesy, dass es weh tut – aber sich dessen eben auch so bewusst, dass man schon fast wieder seinen Hut vor so viel Selbstbewusstsein ziehen möchte. Bei all seinem Macker-Gehabe darf man außerdem nicht vergessen, dass Jack Harlow auch musikalisch talentiert ist und uns mit „What’s Poppin“, „Industry Baby“ und „First Class“ nun schon drei Jahre in Folge mit Rap-Hits versorgt. Sein neuester Streich heißt „Lovin On Me“ und steht seinen Vorgängern in Sachen Catchiness und Charisma nichts nach. Im Gegenteil: Mit dem Cadillac Dale-Sample, einem simplen Club-Beat und Jacks selbstbewusster Präsenz klettert der Song rasant in die Riege seiner größten Hits und wird auch 2024 noch einen mietfreien Platz in unseren Köpfen haben.

Mitski – Bug Like An Angel

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Mit „Bug Like An Angel“ meldete sich die Indie-Sensation Mitski in diesem Jahr zurück und kündigte ihr mittlerweile erschienenes Album „The Land Is Inhospitable and So Are We“ an. Nach ihrem eher elektronischen Vorgänger-Album, kam die sanfte gitarren-basierte Soundkulisse eher überraschend. Wobei man sich bei Mitski mittlerweile ja eigentlich schon mit dem Überraschungsfaktor angefreundet hat.

Die minimalistische Instrumentalisierung von „Bug Like An Angel“ verleiht dem trocken-dramatischen Text noch mehr Schwere: „As I got older, I learned I’m a drinker / Sometimes a drink feels like family“, endet die erste Strophe und geht über in den Einsatz eines 17-stimmigen Chors, der das Wort „family“ noch einmal betont und die Gitarre fast übertönt. Spätestens da hat Mitski einen wieder in ihren Bann aus Schmerz und Heilung gezogen.

Lola Young – Don’t Hate Me

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Unter einer unserer Besten-Listen aus dem letzten Jahr wurde damals auf Instagram kommentiert, warum wir denn nur „TikTok-Songs“ ausgewählt hätten. Dabei haben wir das gar nicht bewusst gemacht: Populäre Musik überschneidet sich nunmal heutzutage oft mit populärem Video-Content und wird eben oft auf TikTok, Instagram und Co. entdeckt. So ging es vielen von euch dieses Jahr sicherlich mit „Don’t Hate Me“ von Lola Young, ein großartiger Song, der vielleicht nie die Aufmerksamkeit bekommen hätte, die ihm gebührt, wenn nicht Supermodels wie Bella Hadid und Kylie Jenner ihn online geteilt hätten.

Damit hätten diese irrsinnig reichen Menschen dann auch mal einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag geleistet, denn „Don’t Hate Me“ und die junge Neo-Soul-Newcomerin dahinter, verdienen es, entdeckt zu werden. Dank ihrer rauchigen, kräftigen Stimme wird Lola Young gerne als Reinkarnation von Amy Whinehouse beschrieben und „Don’t Hate Me“ zeigt, dass dieser Vergleich vielleicht gar nicht so sehr an den Haaren herbeigezogen ist. Dazu harte Kopfnicker-Drums wie von einem Mobb Deep-Album aus den 90ern und ein Synthie wie ein Silberstreifen am Horizont: Fertig ist einer der besten internationalen Songs des Jahres.

Troye Sivan – Rush

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Wenn das Video eines internationalen Popstars in einem Freibad in Berlin beginnt und dann eine mitreißende Hommage an das queere Leben, die Liebe, den Sex, die Freundschaft, das gemeinsame, ausgelassene Tanzen zeigt, sind wir natürlich schon mal hooked. Troye Sivans „Rush“ ist dazu aber auch noch ein fantastischer Popsong, der erst TikTok kirre machte und nach Release dann bei vielen auf Dauerschleife lief. Troye Sivan – der schon mit 12 vor der Kamera stand und kürzlich erzählte, dass sein allererster Job gewesen sei, einen jungen Wolverine in einem X-Men-Film zu spielen – zeigte sich zudem als ausgebuffter Social-Media-Profi: Zur Zeit des Releases hatte ihn die K-Pop-Community auf dem Kieker, weil Troye bei einem Versace-Event Hyunjin, den schönsten Mann bei den Stray Kids, ausgecheckt hatte und danach einige Videos postete, die Troye slightly obsessed zeigten. Die gesteigerte Aufmerksamkeit der riesigen K-Pop-Bubble nutze Troye dann, um „Rush“ bei TikTok zu pushen – und veröffentlichte wenig später gar noch einen Remix mit PinkPantheress und Hyunjin.

Fred again.., Skrillex, Flowdan – Rumble

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Wenn man 2023 einen Song nur anhand eines einzigen Sounds erkannt hat, dann war es wohl „Rumble“ von Fred again.., Skrillex und Flowdan. Dieser brutale, stotternde Bass, dem der Track seinen Namen verdankt, hat uns direkt in die Magengrube geboxt, egal ob beim ersten Anhören oder in zahlreichen DJ-Sets im Lauf des Jahres. Dazu kommt, wie abgefahren die Kombi ist, die für diesen Song zusammen gekommen ist: Ein hungriger Elektro-Senkrechtstarter, eine Dubstep-Legende in ihrer zweiten Blüte und ein Veteran der Londoner Grime-Szene. Gerade für jemanden wie Fred again.., der gerade gekonnt Club-Musik und Mainstream zusammenführt und dabei eine Arena nach der anderen abreißt, ist ein kompromissloses Beat-Monstrum wie „Rumble“ nicht gerade ein naheliegende Move – genauso wie ein Ambient-Album mit Brian Eno. Schön, dass sich der Producer der Stunde trotzdem auf solche Zusammenarbeiten einlässt und noch schöner, wenn dabei am Ende solche markerschütternden Banger wie „Rumble“ rauskommen.

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