Die Toten Hosen knöpfen sich auf „Schlechte Nachbarn“ die AfD-Nachbarschaft vor
Die Toten Hosen haben mit „Schlechte Nachbarn“ die zweite Single aus ihrem kommenden Album „Trink aus, wir müssen gehen!“ veröffentlicht. Und so viel vorweg: Wer nach dem etwas behäbigeren Vorgänger „Die Show muss weitergehen“ Sorge hatte, dass die Düsseldorfer ihre Karriere gemütlich ausklingen lassen, kann durchatmen.
Hüpfburg, Hitlergruß und Vorgartenidylle
Inhaltlich nimmt sich Campino eine deutsche Reihenhaussiedlung vor, in der die Fassade noch stimmt, dahinter aber schon längst etwas gekippt ist. Die AfD sponsort die Hüpfburg auf dem Sommerfest, der Opa „steht am Schießstand, er kann gut mit Waffen“, der Nachbarssohn ist „nicht rechts“, hebt nach ein paar Schnäpsen aber trotzdem den Arm. Der Refrain – „Kein Platz für dich und mich, denn wir sind schlechte Nachbarn“ – ist dabei keine ironische Pointe, sondern eine Kampfansage. Die Hosen analysieren nicht, sie ziehen einen Strich.
Damit reiht sich die Single nahtlos in jene Tradition der Band ein, in der politische Haltung nicht als Marketing-Geste, sondern als Reflex daherkommt – nur dass der Ton diesmal deutlich ungemütlicher ausfällt als in den letzten Jahren.
Letztes Studioalbum nach 45 Jahren
„Schlechte Nachbarn“ ist die zweite Auskopplung aus „Trink aus, wir müssen gehen!“, das am 29. Mai 2026 erscheint und 16 neue Songs umfasst. Es ist das erste Album mit neuem Material seit „Laune der Natur“ (2017) – und gleichzeitig das letzte reguläre Studioalbum der Band, fast 45 Jahre nach ihrer Gründung im Düsseldorfer Ratinger Hof.
Begleitet wird das Album vom Bonus-Werk „Alles muss raus!“, auf dem die Hosen 25 Songs von Wegbegleiter:innen, Vorbildern und Lieblingskünstler:innen covern – jeweils im Duett mit den jeweiligen Originalsänger:innen. Campino singt darauf unter anderem mit Bettina Wegner und Blixa Bargeld.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.