Dieser eine Song: Big Bang – Bang Bang Bang
Der blauhäutige Titan mit dem Sack am Kinn aus dem Marvel-Universum hat zumindest bei TikTok und Co. abgedankt. Wer da heute den Namen Thanos hört oder liest, denkt an einen weirden, drogensüchtigen Rapper gleichen Namens mit lila gefärbten Haaren. Kürzlich startete nämlich die zweite Staffel der südkoreanischen Netflix-Serie „Squid Game“ und obwohl Thanos gar nicht so viel Sendezeit hat, stiehlt er darin so manchem die Show.
Ein Rapper mit Drogenproblem
Der Rapper mit Drogenproblem wird dabei von einem Rapper mit Drogenproblem gespielt – was in Südkorea für Begeisterung und Empörung sorgte. Thanos wird nämlich von Choi Seung-hyun verkörpert. Der ist im asiatischen Raum und in der K-Pop-Community nicht weniger als eine leicht angekratzte Ikone: Unter dem Künstlernamen T.O.P. war Choi Seung-hyun bis 2022 Teil der extrem erfolgreichen Band Big Bang (die in Korea Bigbang geschrieben wird).
T.O.P. schied 2022 offiziell aus der Band aus, nachdem sein Vertrag mit der Produktionsfirma YG Entertainment ausgelaufen und nicht verlängert worden war. Da spielte todsicher auch mit rein, dass T.O.P. 2016 während seines Militärdienstes beim Kiffen erwischt wurde und sich wegen des Besitzes und Konsums von Marihuana vor Gericht verantworten musste. Was hierzulande im Rap schon fast rufschädigend ist, weil viel zu klein-kriminell, wird für koreanische Idols als Todsünde gewertet.
BANG! BANG! BANG! / BANG! BANG! BANG
Als Thanos rappt T.O.P. in „Squid Game“ auch hin und wieder mal – und er deutet Choreo-Elemente aus den Hits seiner Ex-Band Big Bang an. So fanden viele Fans der Serie, die K-Pop noch nicht auf dem Schirm hatten, zum herrlich behämmert betitelten Big-Bang-Song „Bang Bang Bang“. Allein der Chorus ist brillant. Ins Englische übersetzt geht er so: „Like you’ve been shot / BANG! BANG! BANG! / BANG! BANG! BANG! / Bang bang bang / BANG! BANG! BANG! / BANG! BANG! BANG! Bang bang bang.“
Big Bang waren eine der größten Bands im K-Pop
Big Bang waren in den Zehnerjahren einer der erfolgreichsten K-Pop-Exporte. In Südkorea waren sie eh Superstars, aber Big Bang und ihr Bandleader G-Dragon punkteten auch in den USA und ebneten damit Acts wie BTS und Blackpink den Weg. Übrigens: Wer sich bei den fetten Beats und den treibenden Synths in „Bang Bang Bang“ an Blackpink erinnert fühlt, liegt damit gar nicht so falsch: Sie teilen nämlich mit YG Entertainment die gleiche Produktionsfirma und damit auch deren Hausproduzent Teddy Park, der für beide Hits geschrieben und produziert hat.
T.O.P. rappt in „Bang Bang Bang“ die erste Strophe und zeigt darin ziemlich nachdrücklich, was er auf dem Kasten hat. Die Single wurde 2015 veröffentlicht und gilt bis heute als größter Hit von Big Bang. Wie wichtig Big Bang für die K-Pop-Welt sind, konnte man erst kürzlich bei den Mnet Asian Music Awards sehen. Da gaben die verbleibenden Big-Bang-Mitglieder ein Comeback und die versammelte aktuelle K-Pop-Prominenz von Aespa bis (G)I-dle reißt es schon beim Intro von den Sitzen. Als dann nach gut einer Minute die Synths losfurzen und die ersten Chöre losknallen, gibt’s kein Halten mehr.
Die Skandale von Big Bang
T.O.P. war natürlich nicht dabei – und ist damit nicht der Einzige, der fehlte. Die anfangs fünfköpfigen Big Bang bestehen heute nämlich nur noch aus G-Dragon, Daesung und Taeyang, von denen G-Dragon noch am besten im Geschäft ist. Er hat erst kürzlich den Banger „Power“ veröffentlicht und sein Solo-Song „Crooked“ war so etwas wie die inoffizielle Hymne der aktuellen Proteste in Südkorea.
Während T.O.P.s Kiff-Skandal aus unserer Perspektive eher kleinlich wirkt, hat der 2019 bei Big Bang geschasste Seungri richtig üblen Scheiß gebaut. Er ist in den so genannten „Burning Sun Skandal“ verstrickt. Der Skandal trägt den Namen des Clubs in Seoul, in dem er sich zugetragen hat – und der gehörte Seungri. Unter seiner Ägide wurden darin Frauen systematisch unter Drogen gesetzt und ohne ihr Wissen gefilmt. Seungri war außerdem Mitglied einer Messenger-Gruppe auf dem in Südkorea weit verbreiteten Dienst Kakao Talk. Darin tauschten diverse männliche K-Pop-Stars Nachrichten, Fotos und Videos aus.
Seungri und seine übergriffigen Freunde rühmten sich in dieser Gruppe, weibliche Fans mit Drogen oder Alkohol gefügig gemacht und dann mit ihnen Sex gehabt zu haben. Viele dieser Videos zeigen den Widerwillen der jungen Frauen – oder sie zeigen, dass die Frauen bewusstlos und weggetreten waren. Kurz gesagt: Einige Videos zeigen eindeutige Vergewaltigungen.
Wer nun also die alten Hits von Big Bang feiert, sollte also auch um diesen unrühmlichen Teil ihrer Bandgeschichte wissen.
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