DIFFUS

Dieser eine Song: Ich + Ich – Vom selben Stern

Posted in: Dieser eine Song
Tagged: Ich + Ich

Ich + Ich veröffentlichen „Vom selben Stern“ am 15. Juni 2007 als erste Single des gleichnamigen Albums. Der Song war damals über ein Jahr in den Charts, davon vier Monate in den Top 10. Er lief ständig im Radio und war für viele wohl der Soundtrack einer typischen Autofahrt in 2007 oder 2008.

Die Entstehung von „Ich und Ich“

Annette Humpe und Adel Tawil, die Personen hinter Ich + Ich, sind ein außergewöhnliches Duo. Annette macht schon lange vor Ich + Ich Musik, Anfang der 80er wird sie mit der Band „Ideal“ berühmt. Sie ist fester Bestandteil der Neuen Deutschen Welle und prägt mit ihrer Band die Popmusik. Außerdem singt sie als Backgroundsängerin in der Band „Trio“ und schreibt und produziert sehr erfolgreiche Musik für andere Bands, wie zum Beispiel „DÖF“ und „Die Prinzen“. Auch Adel hat schon vor Ich + Ich Musik gemacht, 2002 trifft er im Studio auf Annette. Sie mag seine Stimme, er mag ihr Talent, der Grundstein für Ich + Ich ist gelegt. Das Debüt Album „Ich + Ich“ erscheint 2005. Das Duo erregt in Deutschland schnell Aufmerksamkeit.

Annette Humpe und Adel Tawil sind „Vom selben Stern“

Auf dem zweiten Album „Vom selben Stern“ wollen sie mehr auf ihre Gemeinsamkeiten als auf die Unterschiede setzen. Annette sagt 2007 in einem Interview mit dem Spiegel: „Beim ersten Album haben wir diese Unterschiede betont, um den Journalisten zuvor zu kommen, die wissen wollten, wieso die ältere Dame Annette Humpe mit so einem jungen Ägypter Musik macht. Die Frage haben dann trotzdem alle gestellt, und wir haben darüber gesprochen, bis wir es nicht mehr hören konnten. Wenn ich Musik mache, frage mich doch nicht, ob ich in diesem Moment als Frau, als Weiße oder als 56-Jährige gerade ein Stück schreibe. Solche Aspekte spielen für mich gar keine Rolle.

Obwohl es für die beiden keine Rolle spielt, bleiben rassistische und sexistische Kommentare nicht aus. Nicht nur einmal werden sie auf den Altersunterschied und ihre unterschiedlichen Hautfarben angesprochen. Dass sie gar nicht so viel trennt, ist die Basis für den Song „Vom selben Stern“. „Du bist vom selben Stern / Ich kann deinen Herzschlag hören / Du bist vom selben Stern / Wie ich“. Es geht nicht nur um die Beziehung zwischen Adel und Annette, sondern auch um die Beziehung zu ihren Fans. Die Message: Am Ende sind wir uns alle eher ähnlich als fremd.

So sehr der Song ihre Gemeinsamkeiten betont, die Unterschiede geben Ich + Ich ihren charakteristischen Sound. Sie trauen sich neue Sachen auszuprobieren Perspektiven aus verschiedenen Generationen zu kombinieren. Sie inspirieren sich gegenseitig und bringen beide ihren eigenen Klang in die Musik.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


Sie schreibt, er singt

Die Aufteilung des Duos ist von vorne herein klar, Annette schreibt und produziert, Adel singt. Natürlich nicht ausschließlich, Annette hört man auch auf Songs und Adel lässt seine Ideen beim Text und der Produktion einfließen. Aber ganz grundsätzlich entspricht diese Aufteilung ihrem Naturell. Annette mag die Selbstvermarktung und das Bühnenlicht nicht, Adel hat damit kein Problem. Beim Schreiben der Songs achtet Annette darauf Texte zu finden, die unabhängig von Mann-Frau und alt-jung funktionieren.

Am Anfang singt Annette die gemeinsamen Songs noch auf der Bühne, später verabschiedet sie sich komplett davon. Im Interview mit dem Spiegel sagt sie: „Ich habe mich von der Bühne verabschiedet, bevor irgendjemand fragt: Was macht denn die Alte da auf der Bühne? Aber Lieder will ich schreiben, bis ich sterbe.

Das Duo veröffentlicht nach „Ich + Ich“ noch ein weiteres Album, dann kündigen sie 2010 eine kreative Pause an, um sich eigenen Projekten zu widmen. Was bleibt sind legendäre Songs, wie „Vom selben Stern“, „Pflaster“, „So soll es bleiben“ und „Universum“, die die deutschsprachige Musik der 00er Jahre maßgeblich geprägt haben. Und außerdem einen ausgezeichneten Soundtrack für selbstgeschnittene Videos liefern. Eigentlich warte ich nur darauf, dass „Vom selben Stern“ halbironisch auf TikTok viral geht.

Cover neues DIFFUS Magazin

Das neue DIFFUS Print-Magazin

Titelstory: SSIO

Außerdem im Heft: Interviews mit badmómzjay, t-low, Magda, Paula Engels, fcukers, Betterov uvm. Außerdem große Reportagen über Kneipenkultur, Queer Rage und Essays!