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Dieser eine Song: LaFee – Virus

Posted in: Dieser eine Song
Tagged: LaFee

Wenn man ab März 2020 das Wort „Virus“ gehört hat, sprangen bei den meisten die Gedanken sofort Richtung Covid. Absurde Begriffe wie Ausgangssperre, Inzidenzen und Social Distancing schlichen sich in unseren alltäglichen Sprachgebrauch ein, als wären sie schon immer da gewesen. Gehen wir gedanklich aber mal zurück ins Jahr 2006: Hörte man da den Begriff „Virus“, hatten die meisten wahrscheinlich den Chorus von LaFees Song „Virus“ im Kopf.

Die 00er Jahre boten angsty Teenies mit Tokio Hotel oder Avril Lavigne würdige musikalische Untermalung für ihre dramatische Coming-of-age-Episode. Wer in dieser Reihe vielleicht schnell mal vergessen wird, aber definitiv nicht fehlen darf, ist LaFee. Ihr Gesicht zierte regelmäßig das Bravo-Cover, Poster von ihr tapezierten bundesweit Kinderzimmer und ihre Musik lief sowohl in CD-Spielern als auch auf VIVA heiß. Als sie 2006 mit ihrer Debüt-Single „Virus“ in der Musikszene erschien, verkörperte sie genau den rotzig-rockigen Vibe, der zu der Zeit gefragt war.

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„Virus“ went viral

Als „Virus“ 2006 veröffentlicht wurde, war Christina Klein, wie LaFee mit bürgerlichem Namen heißt, gerade mal 16 Jahre alt. Sie nahm 2004 bei der österreichischen Kinder-Castingshow „Kiddy Contest“ teil, durch die sie vom Musikmanager Bob Arnz entdeckt und unter Vertrag genommen wurde. Gemeinsam arbeiteten sie an ihrem Selftitled-Debütalbum, dessen erste Single-Auskopplung „Virus“ war und LaFee erstmals ins Rampenlicht brachte. Ihre dunkel geschminkten Augen, die Goth-Klamotten und vor allem das Tribal-Tattoo an der Schläfe, das ein L und ein F darstellen sollte, wurden zur Stil-Inspiration vieler Mädchen. Sowohl in ihren Songs, als auch in Interviews nahm sie kein Blatt vor den Mund und schien ziemlich unbeeindruckt von allem zu sein.

Thematisch handelt „Virus“ davon, dass ihr Freund sie mit ihrer besten Freundin betrügt. Dafür rechnete sie mit den beiden dann so ab: „Nein, ich wünsch dir keinen Virus / Wünsch dir nur fiese Pickel ins Gesicht / Wünsch dir keinen Bazillus / So krass wie du, das bin ich nicht.“ Die wenigsten Teenies und Kids, die die Musik damals feierten, hatten in ihrem Leben wahrscheinlich eine ernstzunehmenden Beziehung gehabt. Trotzdem traf sie mit ihrer Teenie-haften Wut und den derben Texten einen Nerv, der mit Songs wie „Virus“ oder „Heul doch“ für die Ewigkeit festgehalten wurde. Auch die anderen Songs auf dem Album kamen so gut an, dass sie sich in Deutschland 64 Wochen auf der eins der Charts hielt.

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LaFee heute

Nachdem Christina Klein sich ab 2012 eher auf die Schauspielerei konzentrierte und in der Soap „Alles was zählt“ mitspielte, erschien 2021 ihr fünftes Studioalbum „Zurück in die Zukunft“. Darauf verabschiedet sie sich vom überdramatischen Pop-Rock und wendet sich der Schlagermusik zu. Kurz davor veröffentlichte sie auf der EP „Zurück in die Vergangenheit“ fünf ihrer alten Songs in neuer Version. Was jede:r textsicheren Zuhörer:in beim Hören natürlich sofort auffällt: Der Text wurde umgedichtet und die Beleidigungen aus dem Original herausgestrichen.

So wird aus der 2006-Version „Und du nimmst ihn mir weg, du kleines Stückchen Dreck / Du Schlampe bist so link, dass es bis zur Hölle stinkt / Und du fragst auch noch dumm, ob ich sauer bin, warum / Was soll sein, ich hau dir eine rein“ eine etwas erwachsenere und zeitgemäßere Version des Songs: „Und du nimmst ihn mir weg, ich hab das nicht gecheckt / Oh Mann, das ist so link, dass es bis zur Hölle stinkt / Ich will dich nie mehr seh’n, aus dem Weg werd ich dir geh’n / Kann nicht sein, ach, lass mich doch allein“.

Die Neuauflage ihrer Hits zog jedoch an der großen Öffentlichkeit vorbei. Was die Songs und LaFee früher so erfolgreich machte, war ihr Edge, auch wenn dieses Wort damals noch nicht eingedeutscht war. Die Texte waren hyperexplizit, giftig und teilweise auch ein bisschen problematisch. Das muss man nicht gut finden – aber ohne diese Schärfe fehlt LaFee ihr Alleinstellungsmerkmal. Heute ist „Virus“ ein Guilty-Pleasure, den man vielleicht mal auf Karaoke-Abenden performen kann oder den man sich anhört, wenn man in ein 00er-Jahre-Nostalgie-Rabbit-Hole verfällt. Wer sich da noch tiefer hineinstürzen möchte, kann sich nach „Virus“ auch noch „Heul doch“ oder „Prinzesschen“ geben und sich weiter fragen, was wir da damals eigentlich aus tiefster Teenie-Überzeugung mitgesungen haben.

Hier geht’s zu unserer Playlist „Dieser eine Song“:

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