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Dieser eine Song: LGoony & Crack Ignaz – Oida Wow

Posted in: Dieser eine Song

2016 war ein verflixt gutes Jahr, an das sich viel mit Recht gerne zurückerinnern. Ganz Deutschrap schwebte in Fußballtrikots und Buckethats unter Palmen aus Plastik oder war über beide Nasenlöcher tief in Miami Yacines „Kokaina“ versunken. Und trotzdem wollen wir die heutige Ausgabe von „Dieser eine Song“ einem Untergrund-Hit widmen, der die Szene damals kein bisschen weniger in Aufruhr hatte: „Oida Wow“ von LGoony und Crack Ignaz. Aber was macht den Song zu so einem entscheidenden Puzzle-Stück in der Deutschrap-Historie?

Yung Leandoer, shawty

Im Jahr 2013 veröffentlicht ein melancholisch drein schauender Typ aus Schweden seine ersten Songs und läutete unwissentlich den Beginn einer neuen Ära ein. Yung Lean konnte damals eigentlich unmöglich wissen, dass seine schleppenden Flows über vernebelte Trap-Produktionen und die Videos mit Arizona-Eistee und Vaporwave-Ästhetik in den folgenden Jahren als Blaupause für ein neues Mikrogenre fungieren würden: Cloud Rap.

Wenn darüber gesprochen wird, wie diese Musik in den deutschsprachigen Raum herüber geschwappt ist, kommt man an drei Namen quasi unmöglich vorbei: Yung Hurn, LGoony und Crack Ignaz. Zu einem ähnlichen Zeitpunkt legten alle drei Rapper die Grundsteine für ihren eigene Definition von „Cloud Rap“. Und wer nicht spätestens an dieser Stelle wieder „Nein“, „Millionen Euros“ oder „König der Alpen“ im Ohr hat, dem ist auch nicht mehr zu helfen. LGoony bewegte sich damals noch im Umfeld von Moneyboys Glo Up Dinero Gang, der man ihren Anteil an der Cloud Rap-Historie ebenfalls nicht absprechen darf. Die Österreicher Yung Hurn und Crack Ignaz dagegen hatten Berührungspunkte in Form des Labels Live From Earth, das heute vor allem in der Club-Szene aktiv ist, oder den losen Gruppierungen Hanuschplatzflow und Berg Money Gang.

Erstes Date im All

Kollektive wie diese oder der Swag Mob um Moneyboy waren damals ein Sammelbecken für Fans und Macher:innen von diesem Rap-Entwurf, der so ganz anders war, wie alles, was man damals im Deutschrap kannte. Diese neue „Szene in der Szene“ war so eng gestrickt, dass man sich natürlich auch über die Landesgrenzen hinweg schnell verknüpfte. Schon auf seinem Debüt „Space Tape Vol. 1: Goonyverse“ (Kenner kennen) holte sich LGoony den Salzburger Crack Iganz auf den Song „NASA“, um gemeinsam zu schweren Trap-Drums und Young Thug-Sample abzuheben.

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Knapp zwei Jahre später kam das erprobte Duo erneut zusammen – diesmal gleich auf Albumlänge. „Aurora“ war wohl da größte Geschenk was LGoony und Crack Ignaz ihren Fans zur damaligen Zeit hätten machen können. 11 Songs, for free zum Download erhältlich, von Autotune-Hymnen wie „Moonwalk“ und „Eis“ bishin zu fiesem Trap-Turn-Up bei „Halloween“ oder „Tokyo Boys“.

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Und dann beglückte das Cloud Rap-Dreamteam seine Fans auch noch pünktlich zum Release mit einem Musikvideo zu „Oida Wow“ – dem bis dato erfolgreichsten Song aus dem Projekt. Auch wenn man der Nummer heute mit Sicherheit die sechs Jahre anhört, die sie auf dem Buckel hat: Problemlos hören kann man „Oida Wow“ allemal. Und ein kleines bisschen Gänsehaut bekommt man dann doch beim Schreiben, wenn man schon bei den ersten Tönen die Moshpits von damals vor dem inneren Auge aufgehen sieht.

Authentisch übertreiben

Denn „Oida Wow“ ist DER Live-Banger schlecht hin und winkt ganz nebenbei der alten Rap-Generation Adé. „Ich hör‘ Young Thug und Lil B / Und du Fanta 4“, rappt da ein aus heutiger Sicht beinahe knabenhafter LGoony über die wuchtigen Bässe von Dj Heroin. Seine durchdringende Stimme trifft in der Hook auf den Mundart-Slang von Crack Ignaz, den dieser über die Alpen importiert hat: „Ich rock‘ Versace – Oida, wow / Ich fahr‘ Bugatti – Oida, wow“. Inwiefern dieses Geflexe auch nur ansatzweise einen wahren Kern hat, kommt beim Hören gar nicht erst in den Sinn, so überzeugt und brachial schmettern die beiden Rapper ihre Lines in die Kamera. Und als wäre all das noch nicht genug, bekommen LGoony und Crack Ignaz dann noch ihren Segen von einem, den man in diesem Video vielleicht nicht erwarten würde: Benjamin Griffey aka Casper.

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Rückblickend ist „Oida wow“, beziehungsweise das gesamte „Aurora“-Tape, vielleicht so etwas wie der Zenit von Cloud Rap in Deutschland. Der Cloud Rap-Begriff ist ja sowieso ein sehr kontroverser: Viele der Protagonist:innen dieser Szene konnten oder wollten sich schon damals nicht damit identifizieren. Trotzdem wurde dem Rest von Deutschrap zu diesem Zeitpunkt langsam bewusst, dass in diesen Newcomern, die davon rappten, dass sie sich morgen ihren dritten Lamborghini kaufen, vielleicht eben doch die Zukunft schlummert.

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