Dieser eine Song: M.I.A. – Paper Planes
Von London nach Sri Lanka, von Sri Lanka nach Indien, von Indien wieder nach London – mit gerade einmal zehn Jahren hatte Mathangi „Maya“ Arulpragasam, wie M.I.A. mit bürgerlichem Namen heißt, schon so manches erlebt. Ihr Vater ist Gründer einer militanten tamilischen Untergrundorganisation in Sri Lanka, weshalb sie ihn laut eigener Aussage nur alle paar Jahre zu Gesicht bekommen hat. In London geboren ging es für M.I.A. und ihre Mutter zehn Monate später zurück nach Sri Lanka. In dem vom Bürgerkrieg geplagten Land war ein friedliches Leben jedoch kaum möglich, also trieb es M.I.A. mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern erst nach Indien, bevor die Familie zurück in London in einer Geflüchtetenunterkunft Platz fand.
Geplagt vom Rassismus, geflüchtet in die Kunst
Mit gerade einmal elf Jahren erlebt Arulpragasam in London offenen Rassismus und kapselt sich daraufhin von der Außenwelt ab. Die Musik von Public Enemy und N.W.A gibt ihr Kraft und erweckt in ihr die Liebe zum HipHop. Nach dem Schulabschluss bringt ihre Kreativität M.I.A. einen Studienplatz an der renommierten London’s Central Saint Martins Art School ein. Es dauert nicht lange bis die Künstlerin ihre eigene Vernissage veranstalten darf, welche zum vollen Erfolg wird. Wenig später darf sie bereits das Artwork für die englische Band Elastica entwerfen und soll diese auch auf ihrer Tour als Videoproduzentin begleiten. Unterwegs mit Elastica lernt die gebürtige Londonerin die Electroclash-Legende Peaches kennen, welche ihr die Roland MC-505 zeigte und damit eine weitere Leidenschaft in der jungen Künstlerin entfachte.
Nach kurzer Zeit entstanden die ersten eigenen Songs, durch Zufall gelangten einige davon in die Hände von Ross Orten, der am Song „Galang“ Hand anlegte und damit für Furore, allen voran aber für ein Signing von M.I.A. bei XL Recordings sorgte. Das Debüt-Album „Arula“, das nach ihrem Vater benannt ist, kam 2005 in die Plattenläden und schaffte es in Deutschland auf Platz 71 der Charts.
M.I.A. – Arular
Das Nachfolgewerk zu „Arula“ erschien im Jahr 2007 unter dem Titel „Kala“ und beinhaltete auch den Titel „Paper Planes“. Kurz danach verkündete die Musikerin, eigentlich eine Pause einlegen zu wollen und sich der Schauspielerei zu widmen. „Paper Planes“ aber wurde vor allem in den USA zu einem Hit und veranlasste M.I.A. dazu, das Schauspielen zunächst ruhen zu lassen und sich dem Schreiben des dritten Studioalbums zu widmen. 2010 stand mit „Maya“ dann der dritte Longplayer in den Startlöchern. Das sehr vom Internet inspirierte Album besticht durch seine Genrevielfalt bestehend aus HipHop, Dancehall, Grime und Electro.
M.I.A. – Paper Planes
„Paper Planes“ wurde als vierte Single-Auskopplung zum Album „Kala“ veröffentlicht und schaffte es bis auf platz vier der US-amerikanischen Charts. Produziert wurde „Paper Planes“ von niemand geringerem als Diplo, der neben anderen Musiker:innen auch am Text mitwerkelte. Lyrisch behandelt „Paper Planes“ Vorurteile mit denen Migrant:innen tagtäglich konfrontiert werden. Die aus der Ich-Perspektive dargestellten Akteure verhalten sich den Stereotypen entsprechend und kommunizieren dies auch auf ihre Art und Weise. Inspiriert wurde „Paper Planes“ laut eigener Aussage auch davon, dass M.I.A. aufgrund ihrer Herkunft und teilweise auch wegen ihrer gewaltvollen Texten Schwierigkeiten hatte, ein Visum für die USA zu bekommen. Zur Untermalung der lyrischen Bedeutung wurde für „Paper Planes“ ein Sample des Songs „Straight to Hell“ von der Punkband The Clash verwendet.
2013 veröffentlichte die kontroverse Künstlerin mit „Matangi“ das vierte Studioalbum aus dem Hause M.I.A., woraufhin mit „AIM“ drei Jahre später der nächste Longplayer bereitstand. Seit fünf Jahren gab es nun kein neues Album der Ausnahmekünstlerin mehr zu hören, was eine bisher nie dagewesene musikalische Pause der Musikerin darstellt. Mit „MATANGI / MAYA / M.I.A.“ gab es 2018 allerdings eine Filmdoku zum künstlerischen Werdegang von Mathangi Arulpragasam zu sehen.
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