Dieser eine Song: Männer – Herbert Grönemeyer
„Wann ist ein Mann ein Mann?“ Diese Frage wirft Herbert Grönemeyer 1984 mit seinem Song „Männer“ einfach mal in den Raum. Und landet damit in deutschen Charts. Heute gilt er als ein Klassiker der deutschen Rock-Pop-Geschichte. Wir blicken zurück auf die Erfolgsgeschichte von „Männer“.
Der männliche Mann
Eigentlich könnte man ja erwarten, dass einem Song, der den Titel „Männer“ trägt, heute mit Augenrollen begegnet wird. Denn wenn es wohl eins genug gibt, dann Lieder, die eine Lobeshymne auf das männliche Geschlecht sind. Doch einmal in den Text geschaut wird klar, dass Herbert Grönemeyer sich schon in den 80er Jahren – und damit in einer Zeit in der der Feminismus noch in den Kinderschuhen steckte – nicht zu schade war, die vermeintliche Dominanz des Mannes mal mit einem dicken Fragezeichen zu versehen. „Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht / Außen hart und innen ganz weich / Werden als Kind schon auf Mann geeicht / Wann ist ein Mann ein Mann?“, heißt es im Refrain.
Denn ja: Wann ist denn ein Mann ein Mann? Grönemeyer entblößt hier mir nichts dir nichts, dass sämtliche männlichen Attribute doch eigentlich ziemlich hanebüchen sind. Die Lyrics lassen sich auf endlose Diskussionen mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Anna Henkel zurückführen. Sie hat Grönemeyer nach eigener Aussage nämlich gerne mal ordentlich die Leviten gelesen und klargemacht, welche Schwächen Männer eigentlich alles haben. Danke Anna!
40 Jahre Bochum – und was hat sich geändert?
Am 11. Mai 1984 erschien „Männer“ auf „4360 Bochum“, Grönemeyers fünftem Album. In dem Jahr wurde es das meistgehörte Album in Deutschland und degradierte damit sogar Micheal Jackson’s „Thriller“ in den deutschen Album-Jahrescharts. Zum 40-jährigen Jubiläum von „4360 Bochum“ wurden 2024 dann einige der Top-Tracks des Albums nochmal neu aufgenommen – in Zusammenarbeit mit jungen deutschen Musiker:innen.
Während bei Songs wie „Flugzeuge im Bauch“ (Céline) oder „Alkohol“ (Bausa und Chapo102) in den Lyrics der Neuaufnahmen umgedichtet und rumgeschoben wurde, was das Zeug hält, bleibt die Neuaufnahme von „Männer“ (Dilla) nahezu unverändert.
So viel Satire auch in den Zeilen stecken mag: Traurige Wahrheit ist, dass sich selbst 40 Jahre nach Erscheinen des Tracks nicht so viel an dem Bild des Mannes verändert hat. Männer baggern immer noch wie blöde. Kaufen nach wie vor Frauen. Männer werden immer noch von Kindheit an als Mann geeicht. Dass sie nicht nur Zärtlichkeit brauchen, sondern auch geben müssen, muss noch gelernt werden. Ebenso, dass sie weinen dürfen und nicht nur stark sein müssen. Dass Männer auf dieser Welt eben nicht unersetzlich sind, darf dann auch gerne mal in der Realität ankommen. Und zwar bestenfalls nicht erst in den nächsten 40 Jahren!
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