Dieser eine Song: Mine – 90 Grad
Mine wuchs in der Nähe von Stuttgart auf und nahm bereits als Kind an Gesangswettbewerben teil. Nach dem Besuch eines musikalischen Gymnasiums studierte Jasmin Stocker, wie Mine mit bürgerlichem Namen heißt, an der Hochschule für Musik in Mainz Jazzgesang. Mit dem Bachelor in der Tasche konnte Stocker bereits als Dozentin für die Mainzer Hochschule arbeiten, nebenher begann sie außerdem „Producing and Composing“ an der Mannheimer Popakademie im Master zu studieren. Während des Studiums folgten bereits erste Auftritte unter dem Künstlernamen Mine.
Neben der Veröffentlichung ihrer ersten EP „Herzverleih“, ging es im Jahr 2013 erstmals auf eigene Tour. Das Besondere: schon bei ihrer ersten Tournee trumpfte Mine bereits mit einem großen Repertoire an Instrumenten auf der Bühne auf, welches weit über die Klassiker wie Gitarre, Schlagzeug und Bass hinaus geht. Unter anderem kamen Violinen, Metallophone und Omnichorde zum Einsatz. Zu einem Song von ihrer ersten EP produzierte Mine außerdem eigenständig das Musikvideo, was die künstlerische Bandbreite der Wahlberlinerin noch einmal hervorhebt. Es folgten Gastauftritte unter anderem bei Samy Deluxe und Megaloh, ehe 2014 ihr selbstbetiteltes Debüt-Album „Mine“, auf welchem bereits der Rapper Fatoni seine Skills zum Besten geben konnte, erschien. Zwei Jahr später stand das Nachfolgewerk in den Startlöchern. Auf Mines zweitem Studio-Album „Das Ziel ist im Weg“ gab es wieder einen Gastbeitrag von Fatoni, dieses Mal durfte außerdem Sänger Dagobert einen Part dazu steuern. Im selben Jahr konnte Mine außerdem den Preis für Popkultur in der Kategorie „Lieblingssolokünstlerin“ für sich entscheiden. Ende 2016 gelang es Mine zudem durch eine Crowdfunding-Kampagne erneut genügend Geld sammeln, um ein großes Orchesterkonzert zu spielen. Bereits 2013 durfte Mine ihr ganzes Können unter Beweis stellen, als sie schon einmal ein Orchester eigens arrangiert hatte. Die Neuauflage fand im Frühjahr 2017 statt und trumpfte mit zahlreichen Gästen wie Tristan Busch, Edgar Wasser und wieder eben jenem Fatoni auf.
Nach dem Motto „Was lange währt, wird endlich gut“ erscheint im Oktober 2017 dann das Kollabo-Konzeptalbum „Alles Liebe nachträglich“ mit Fatoni, welches sich dem Thema „Beziehung“ in all seinen Facetten widmet. Nach gemeinsamer Tour steht plötzlich schon wieder das nächste Solo-Projekt in den Startlöchern. Laut eigener Aussage war der Schreibprozess dieses Mal von wesentlich kürzerer Dauer als sonst, was dem Album aber nicht anzumerken ist. „Klebstoff“ klingt zwar poppiger als die vorherigen Studioalben, verdeutlicht aber dabei nochmals die Experimentierfreudigkeit in Mines Soundbild.
Mine – 90 Grad
Die Wahlberlinerin als waschechtes Multitalent zu bezeichnen wäre alles andere als übertrieben, sowohl musikalisch als auch organisatorisch. Sowohl die Komposition der eigenen Musik als auch das eigenständige Produzieren von Songs und Videos, dazu das Vermischen von mehreren Genres und dem Arrangieren eines ganzen Orchesters – Mine ist eben mehr als „nur“ eine Sängerin. Als musikalischen Einfluss nennt Mine unter Anderem die Künstlerin Lykke Li, welche ebenfalls damit begeistern kann, dass alle ihre Songs einem anderen Soundbild entsprechen. Auf Mines letztem Studioalbum „Klebstoff“ ist auch die Single-Auskopplung „90 Grad“ zu finden. „90 Grad“ befasst sich mit verschiedenen Blickwinkeln und synästhetischen Reizen, gepaart in einem Pop-Gewand mit trotzdem wuchtigem Refrain. Was bei „90 Grad“ außerdem häufige Verwendung findet ist ein Hall auf Mines Stimme, welcher fast schon als eigenständiges Instrument fungiert und dem Song dadurch Tiefe gibt. Das Video zu „90 Grad“ kann auch allein als eigenständiges visuelles Kunstwerk betrachtet werden: Zu sehen ist Mine, bestehend aus einer undefinierbaren Masse, die sich stetig verändert und verformt und dadurch fast schon psychedelisch wirkt.
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