Dieser eine Song: Prinz Pi – Kompass ohne Norden
Friedrich Kautz, so Prinz Pi bürgerlich, kann man getrost als Deutschrap-Veteran bezeichnen. Der Berliner rappt seit 25 Jahren und hat in dieser Zeit als Prinz Porno/Prinz Pi fast 20 Studioalben veröffentlicht. Vor fast genau zehn Jahren sollte der Song „Kompass ohne Norden“ und das gleichnamige Album den Prinzen endgültig in den Deutschrap-Olymp befördern.
„Kompass ohne Norden“ wurde nie als Single veröffentlicht, obwohl eigens ein Musikvideo für den Titelsong des elften Studioalbums produziert wurde. Genau wie das gesamte Album, ist auch der Song „Kompass ohne Norden“ eine klassische Coming-Of-Age-Geschichte. Prinz Pi nimmt uns mit auf eine Reise durch seine Jugend und holte damit vor allem jüngere Generationen ab, die vorher noch nicht ganz so tief in den Weiten seiner Diskografie gebuddelt hatten.
Startschuss der neuen Prinz Pi-Ära
„Kompass ohne Norden“ war somit der Startschuss in eine neue Prinz Pi-Ära. Weg von scheppernden Biztram-Beats, hin zu durchdachten Instrumentals die vor allem Live ein ganz anderes Klangbild gezaubert haben als die vorherigen Veröffentlichungen. Aber auch textlich überzeugte „Kompass ohne Norden“.
Der Titelsong zu seinem ersten Nummer eins Album handelt, wie die gesamte Platte, von der Ziel- und Orientierungslosigkeit der Jugend in der heutigen Gesellschaft. In den Strophen geht es um die unterschiedlichen Lebenswege nach dem Abitur. Die einen starten eine erfolgreiche Karriere, die anderen zerbrechen an ihren Zukunftsvisionen, wieder andere versuchen sich im Studierendenleben zurechtzufinden. Was die Strophen schon umschreiben, wird im ikonischen Refrain auf den Punkt gebracht: „Die ersten sind gescheitert, die ersten was geworden / Die ersten wurden Eltern, die ersten sind gestorben / Bob Dylan gab mir einst einen Kompass ohne Norden / So treibe ich verloren in ein unbekanntes Morgen“.
Neue Fans, alte Fans
Mit „Kompass ohne Norden“ teilte sich die Fanbase von Prinz Pi ein wenig. Die alteingesessenen Fans, die mit dem Künstler über die Jahre hinweg seit seines Debüts 1998 mitgewachsen sind, müssen sich plötzlich auf einen neuen Klang und klassische Coming-Of-Age Themen einlassen. Gleichzeitig erreichte der ehemalige Royal Bunker-Künstler eine neue Zielgruppe und ließ seinen Sound erwachsener wirken.
Auch zehn Jahre nach „Kompass ohne Norden“ ist der Song einer der Klassiker seines Schaffens. Auch wenn die Hörer:innen, die 2013 neu dazukamen inzwischen nach mancher Definition „erwachsen“ sein müssten, schafft es „Kompass ohne Norden“ einem Flashbacks in die orientierungslose, aber vielleicht auch aufregendste Phase des Lebens zu verschaffen.
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