Dieser eine Song: Stromae – Papaoutai
2013 lief ein Song auf gefühlt allen Radiosendern auf Schleife. Egal ob Mainstream-Pop orientiert oder höchst selektierter Kultursender – „Papaoutai“ von Stromae konnte jede und jeden für sich gewinnen. Aber was macht den französischen Pop-Track so einzigartig?
Ein krasser Kontrast
Einmal ist da dieser treibende Beat. Eine Melodie, die sofort ins Ohr geht und die Beine unwillkürlich zum Mitwippen bringt. Ein energetischer Mix aus House, Pop und traditionellen afrikanischen Rhythmen, der „Papaoutai“ schon auf der musikalischen Ebene zu einem einzigartigen Track macht. Die fröhliche Musik steht dabei im krassen Kontrast zu den tiefgründigen Lyrics, die eine ganz andere Geschichte erzählen – eine über Verlust, Sehnsucht und die Abwesenheit eines Vaters.
„Papaoutai“ ist eine Frage, die Stromae ganz direkt stellt: „Où t’es, papa, où t’es?“ (Wo bist du, Papa, wo bist du?). Es ist die Frage eines Kindes, das sich nach seinem Vater sehnt, der nie wirklich da war. Man spürt in jeder Zeile die Bitterkeit und den Schmerz, die das Fehlen eines geliebten Menschen hinterlässt. Und gleichzeitig ist da diese Frage, die sich durch das gesamte Lied zieht, die uns alle an unsere eigene Beziehung zu unseren Eltern denken lässt.
Eine Puppe als Vater
Auch das Musikvideo trägt einen großen Teil dazu bei, dass „Papaoutai“ selbst elf Jahre nach seiner Veröffentlichung als popkulturelles Erlebnis im kollektiven Gedächtnis verweilt. In lebhaften Farben zeigt es Szenen einer Welt, in der Stromae als leblose Puppe seinen eigenen abwesenden Vater darstellt. Kinder tanzen um ihn herum, während er starr und unerreichbar bleibt. Eine visuelle Metapher, die die Sehnsucht und die Abwesenheit noch intensiver spürbar macht.
Eine persönliche Note
Und dann ist da noch Stromae selbst. Ein Künstler, der immer wieder die Grenzen zwischen verschiedenen Musikgenres sprengt und dabei seine eigenen Wurzeln nie aus den Augen verliert. In „Papaoutai“ verarbeitet er seine eigene Biografie: Stromae, der mit bürgerlichem Namen Paul Van Haver heißt, verlor seinen Vater im ruandischen Genozid und wuchs ohne ihn auf. Diese persönliche Note macht den Song so authentisch und bewegend – man spürt, dass jedes Wort von Herzen kommt.
„Papaoutai“ ist dieser eine Song, der uns immer wieder daran erinnert, dass die Abwesenheit eines geliebten Menschen einen tiefen, unauslöschlichen Eindruck hinterlassen kann. Er schafft es, eine persönliche Geschichte zu einer universellen Erfahrung zu machen und bleibt so in unseren Köpfen und Herzen verankert. Ein echter, moderner Klassiker, der durch auch über eine Dekade später noch nichts von seiner Kraft verloren hat.
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