Dreamteam oder Katastrophen-Kombi? Finch, Marteria und Silbermond veröffentlichen „Wendekind“
Dieser Tage ist quasi alles möglich und im Releaseradar landen nur noch selten Songs, die uns so richtig überraschen. „Wendekind“ ist einer davon. Denn noch brisanter als die Ost-West-Thematik ist vielleicht die Kombi, die diese Single heute veröffentlicht hat: Finch (ehemals Asozial), Marteria und die Pop-Band Silbermond kommen hier zusammen.
„Wendekind“ ist dabei übrigens überraschenderweise nicht die erste Zusammenarbeit zwischen Finch und Marteria. Im Februar ernschien mit Finchs Album „Rummelbums“ auch der präzise betitelte Song „Finch und Marten“, der die sehr verschiedenen Welten der beiden Rapper erstmals zusammenführte. Eben diese Unterschiede zwischen ihren Künstlerpersönlichkeiten thematisierten die beiden mit einer ordentlichen Dosis Humor auf einem stampfenden Hardcore-Beat: „Will deinen Körper, dein Gesicht / Ab Morgen bin ich wieder ich“.
Zweite Runde für Finch und Marten
Das Kontrastprogramm hat scheinbar gut funktioniert, denn für seine neue Single „Wendekind“ holt sich Finch erneut Marteria an Bord – diesmal aber im Gespann mit der Pop-Band Silbermond. Und auch wenn dieser Parteien erstmal nicht miteinander vereinbar scheinen, funktioniert die Kombi erstaunlich gut. Marteria hat ja sowieso reichlich Erfahrung mit der musikalischen Verarbeitung seiner Wende-Erinnerungen: Auf seinem letzten Album „5. Dimension“ tat er genau das mit dem Song „Neonwest“, der vom ersten Mal Westberliner Luft schnuppern handelt. Auf „Wendekind“ rappt er den eröffnenden Part und glänzt mit bildstarken Erzählungen: „Die nie von Zukunft sprechen / Die in den U-Bahn-Schächten / Die in den Kukucksnestern / Die auf den Fußballplätzen / Ja, wir sind Wendekinder, geborene Krieger / ohne Glauben an Gott, glauben nur an Tequila“.
„Ene-mene-meck und alle zieh’n hier weg“
Auch Finch präsentiert sich in seinem Part ungewohnt reflektiert und ernst und erinnert in Sachen Flows und Stimmlage sogar hin und wieder an Marteria. Der Proll- und Party-Experte, der zuletzt einen schmierig-doppeldeutigen Song über selbstgemachte Sahne und den „Eismann“ veröffentlicht hatte, kann also auch anders. Das zeigt auch der Kinderchor, der in der Bridge altbekannten Reimen eine neue Bedeutung schenkt: „Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein / Ene-mene-meck und alle zieh’n hier weg“.
Trotz der schwermütigen Thematik bleibt „Wendekind“ am Ende ein astreiner Popsong und das ist vor allem der eingängigen Hook von Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß zu verdanken. Und auch wenn dieses Crossover kaum verschiedener sein könnte, passt das alles tatsächlich irgendwie doch erstaunlich gut zusammen. Ob sich hier mit „Wendekind“ ein neues Dreamteam gefunden hat, liegt letztendlich im Auge der Betrachter:innen, aber auf ein Fazit können wir uns hoffentlich einigen: Hätte deutlich schlimmer sein können.
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