„Du tust mir nie mehr weh“: AnnenMayKantereit knallen die Tür endgültig zu
Streiten ist menschlich, streiten ist Alltag. Für jede:n von uns. Aber so oft wir auch streiten, so unergründlich bleibt die ganze Thematik für uns. Warum wir Sachen sagen, die wir gar nicht meinen, warum wir uns kleiner machen als wir sind, warum wir den anderen absichtlich verletzen wollen. Und warum wir immer wieder Verzeihen, obwohl wir es manchmal besser wissen.
Um diesen tief verankerten Instinkt dreht sich der neue Song von AnnenMayKantereit: „Du tust mir nie mehr weh“. Dabei klingt der Trennungsschmerz nach wenigen Sekunden direkt durch: Gezupfte Gitarren und Ukulelen plätschern wie Regentropfen an der Scheibe und Henning singt wenig glaubwürdig, wie gut es ihm doch gehe „seit wir uns nicht mehr sehen“. Der Song raschelt und zappelt nervös, vereint Tanzbarkeit mit Tragik, rhythmischen Groove mit kreischenden Gitarren. Besonders gelungen ist dabei die doppeldeutige Hook: „Du tust mir nie mehr weh / Wenn wir uns wiedersehen / Werde ich vor dir stehen / Und habe dir verziehen“. Irgendwo zwischen „Genug ist genug“ und „Halb so schlimm“ ertappt sich Henning May bei der eigenen Unentschlossenheit, ein emotionaler Rollercoaster im ständigen Déjà-Vu.
Der Abend mit AnnenMayKantereit klingt abwechslungsreich
Das neue Album „Es ist Abend und wir sitzen bei mir“ erscheint zwar erst am 03. März, mit den bisherigen Singles hat die Indie-Band aus Köln jedoch schon gezeigt, dass die Platte abwechslungsreich wird. Der Titeltrack „Es ist Abend“ kommt mit introspektivem Folk, „3 Tage am Meer“ war der Sommer-Hit im Herbst und „Kein Stern“ eine Hymne auf den Bolzplatz inmitten vom WM-Kommerz. Und „Du tust mir nie mehr weh“? Ein Trennungs-Song in tiefster Winterdepression. Aber zumindest kann man inzwischen beinahe die Tage zählen, bis die dunkle Jahreszeit ihr Ende hat – und gleichzeitig der Frühling und das neue Album von AnnenMayKantereit vor der Tür stehen.
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