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Düster, ungemütlich, dystopisch: „Die heile Welt“ von Nils Keppel

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Tagged: Nils Keppel

Der Titel der neuen EP von NNDW-Musiker Nils Keppel ist mit Vorsicht zu genießen. „Die Heile Welt“ klingt nämlich so gar nicht nach heiler Welt, sondern mit düsterer Grundatmosphäre und ungemütlichen Sounds eher nach dem genauen Gegenteil.

Weder Engel noch Himmel in Berlin

Immer wieder wird sich in dem Fünf-Track-Werk einer Engels- bzw. Himmelssymbolik bedient, durch die schnell klar wird, dass wir uns an keinem friedlichen Ort befinden. „Ich lieg hier so seit Stunden / Die Engel die wir brauchten waren erfunden / Ich lieg hier so seit Stunden / Da ist kein Himmel über Berlin“ heißt es zum Beispiel im Track „Kein Himmel über Berlin“.

Den performt Nils Keppel im zugehörigen Video begleitet von Orgelklängen in den heiligen Hallen einer Kirche – was ihn nicht davon abhält seine Verzweiflung über die in den Lyrics beschriebenen fehlenden Wunderwesen so verzweifelt hinauszuschreien, dass ihm in der Hook immer wieder die Stimme wegbricht.

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Diese brachialen, rohen Tracks halten sich die Waage mit Stücken wie „Die heile Welt“ oder der vorab veröffentlichte „Winter kam und ging ohne dich“. Die beiden ruhigen Song klingen, als würden sie durch dicken Nebel zu uns dringen – reduziert, melancholisch und sehnsüchtig. Nach dem titelgebenden Track gibt es dann mit „UV-Licht“ einen harten Cut, die heile Welt bröckelt, begleitet von schrillen Polizeisirenen und chaotischen Breakbeats teilt Nils Keppel betrübende Gedanken über die Unaufhaltsamkeit des Lebens.

Insgesamt klingt das Werk nach der wabernd-dunklen NDW-Abteilung und zeigt neben Post-Punk-Elementen auch zunehmend Einflüsse des Shoegaze und Grunge aus den 90ern. Damit ist Nils Keppel unter Zeitgenossen wie Edwin Rosen, Steintor Herrenchor und Co. nicht alleine, aber nur den wenigsten seiner Kolleg:innen in der Neuen Neuen Deutschen Welle gelingt die Hommage an vergangene Epochen so authentisch und atmosphärisch wie ihm.

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