„Eine Woche Geburtstag“: Neue EP von Steintor Herrenchor
Seit Dezember 2021 schreiben wir immer mal wieder über den Steintor Herrenchor aus Hannover. Schon ihre Debütsingle „Luisa“ überzeugte uns – und sagen wir mal so: der Sound der drei Musiker war sicher nicht ganz unschuldig dran, dass wir irgendwann unsere „Neue Neue Deutsche Welle“-Playlist starteten, wo sie seitdem regelmäßig auftauchen. In einem ihrer bisher recht raren Interviews erzählten sie einmal, wie sie als Herrenchor zusammenfanden: „Wir haben musikalisch etwas Neues ausprobiert und uns aus Spaß ‚Band‘ genannt. Nach Jahren ‚Einzelgängermusik‘, also HipHop & Techno, war das etwas komplett Neues für uns.“
Zugleich kalt und emotional
Das spannende an ihrem Sound: Er ist auf der einen Seite tatsächlich neu, auf der anderen Seite fest verankert im frühen, deutschsprachigen Post-Punk – von Bands wie Mittagspause, The Wirtschaftswunder, Grauzone, Der Plan oder auch DAF. In den Texten des Steintor Herrenchor findet man die pechschwarze, urbane Romantik des New Wave, während die Musik zugleich kalt und emotional rüberkommt und oft mit erstaunlich reduzierten Mitteln atmosphärisch und ausgecheckt wirkt. Und auch das muss man ihnen lassen: Für ihren genialen Bandnamen haben sie ebenso Props verdient. Hannover steht ja im Ruf, eine fürchterlich langweilige Stadt zu sein, was ein wenig ungerechtfertigt ist. Immerhin hatten dort die „Chaostage“ ihren Ursprung, zu Britpop-Zeiten spielten viele legendäre Bands der Zeit dort und überhaupt ist die Clublandschaft dort keine schlechte. Das Steintorviertel hat dabei einen berühmt-berüchtigten Ruf – es ist das roughe Rotlichtviertel der Stadt.
Drei neue Songs und „Eine Woche Geburtstag“
Am Freitag kam nun die neue EP „Eine Woche Geburtstag“, auf der Steintor Herrenchor ihren NNDW-Sound ein wenig glätten – zum Beispiel, in dem sie auf „genug sein“ hochmelodische The Cure-Gitarren gegen kalte Drumsounds ins Duell schicken. „Geburtstag“ klingt zu Beginn, als müsse der Song erst aus dem Grab steigen, bevor ein Beat kickt, der schon fast an Drum’n’Bass-Rhythmen erinnert. Der Opener „eine Woche“ wiederum lebt durch die Rhythmusfraktion und einer Bassmelodie, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Über all dem schwebt und dräut aber der tiefe Gesang und Lyrics, die mit wenigen, oft wuchtigen Worten über Verlust und Sehnsucht singen – tiefromantische Themen, die bei Steintor Herrenchor nie kitschig wirken.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.