Empfehlung des Tages: anaïs, jolle – arsch der welt
Mit „arsch der welt“ schließt Anaïs direkt an das Urlaubsfeeling von „désolée“ an, gesteht sich aber ziemlich schnell ein, dass der schöne Schein trügt: „Hier nicht an dich denken wäre krass / egal wo ich lande immer reist du mir nach / Ich wollt‘ am Arsch der Welt allein sein, doch du gönnst mir nicht mal das“.
Während die Sängerin auf „désolée“ noch scharfsinnig von der Leichtigkeit des Lebens singt, muss sie sich auf „arsch der welt“ eingestehen, dass es doch gar nicht so leicht ist, einfach loszulassen. Und auch Featuregästin Jolle stimmt zu: Man kann am schönsten Ort der Welt oder irgendwo im Nirgendwo sein, und die Gedanken an diese Person lassen einen einfach nicht los: „In jedem Drink ‘ne Prise Angst / Albträume sind noch gestochen scharf“.
Manches Gepäck trägt man ungewollt mit sich
Der Song ist bei diesem Eingeständnis aber keineswegs schwer oder niedergeschlagen, sondern vielmehr stark, laut und einfach ehrlich. Mit seiner hellen Melodie klingt der Indie-Pop-Song sommerlich, der Refrain ist catchy und macht mit seinem Beat Lust zu tanzen, bis er auf einer sanften Gitarrenmelodie endet. Die Stimmen von Jolle und Anaïs harmonieren und ihre beiden Perspektiven verschmelzen, während sie zugeben: „Meine Koffer voll, aber im Kopf ist noch Platz“. Diese eine Person reist also ohne Ticket einfach im Kopf mit, egal was man auch dagegen unternimmt und sei es, an den „arsch der welt“ zu fliegen. Der Song selbst bleibt aber zumindest auch im Kopf als Ohrwurm und hilft vielleicht, die Gedanken an den oder die Verflossenen etwas leiser zu drehen.
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