Empfehlung des Tages: Ane Brun – Shock Treatment
Manchmal verändert eine Enttäuschung auch den Blick auf alles, was davor war. Erinnerungen bekommen einen anderen Beigeschmack, vermeintliche Gewissheiten lösen sich auf. Ane Brun beschäftigt sich auf ihrem heute erschienenen Album „I Thought We Were The Same“ mit solchen Erfahrungen – und damit, wie man danach wieder Vertrauen fasst. Die norwegische Sängerin, Songwriterin und Produzentin hat sich in über zwanzig Jahren vom reduzierten Folk immer weiter in elektronische Klangwelten vorgearbeitet. Auf ihrem ersten Album mit neu geschriebenem Material seit sechs Jahren setzt sie diesen Weg fort und rückt ihren Sound stärker in Richtung Pop.
„Shock Treatment“ steht dabei für einen entscheidenden Moment: Aus der schmerzhaften Erkenntnis wächst Veränderung. Im letzten Teil des Albums platziert, verschiebt der Song den Fokus von dem, was zerbrochen ist, auf die Person, die man dadurch geworden ist. Auch der Albumtitel bekommt so eine weitere Bedeutung: Das ungläubige „Ich dachte, wir wären gleich“ richtet sich inzwischen ebenso an Bruns früheres Ich. „Shock Treatment“ erzählt davon, wie tief einen solche Erfahrungen verändern können – und wie sich daraus eine neue Richtung ergeben kann, auch wenn die Vergangenheit bestehen bleibt.
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