Empfehlung des Tages: Apsilon, Bazzazian – Ein Fuß vor den andern
Für Liebhaber:innen von deutscher Rap-Musik gleicht ein Beat von Bazzazian einem besonderen Qualitätssiegel. In den letzten Jahren war dieses vor allem dem Frankfurter Rapper Haftbefehl vorbehalten, dessen Sound Bazzazian stark geprägt hat. Nun drückt er nach Symba einem weiteren aufstrebenden Newcomer seinen Stempel auf: Apsilon. Gemeinsam veröffentlichen die beiden heute ihren Song „Ein Fuß vor den andern“ – eine Hymne aufs Weitermachen, für alle, die sie brauchen.
Apsilon ist drauf und dran, sich vom Geheimtipp zu einem festen Bestandteil der hiesigen Rap-Szene zu etablieren. Der Blueprint für seinen Erfolg? Harte Arbeit, konsequente Releases und vor allem ein wiedererkennbarer Style, der unverwechselbar ist. Apsilon liefert ungeschönte Moment-Aufnahmen aus seiner ganz persönlichen Lebenswelt Berlin-Moabit, mit klarer Haltung, ohne sich ausschließlich mit politischen Themen zu beschäftigen. Trotzdem ist es dem Newcomer spürbar wichtig, an den richtigen Stellen Position zu beziehen. So trat er vor kurzem bei der Gedenkveranstaltung für die Anschläge in Hanau auf.
Auch musikalisch festigt Apsilon zunehmend seine eigene Handschrift. Das heißt: hungrige Flows auf rumpelnden Beats, vertrackt und verwinkelt wie die Straßen von Berlin. Dass der junge Rapper auch einen ausgezeichneten Sinn für Melodien und Hook-Lines hat, bewies schon die Single „BLBH“ mit Wa22ermann. Und auch „Ein Fuß vor den andern“ zeigt eindrucksvoll: Apsilon kann Ohrwürmer mit Inhalt.
Weitermachen – zu jedem Preis?
Drückend und doch triumphal startet die neue Single, Attribute, die oft auf die mächtigen Beats von Bazzazian zutreffen. „Ein Fuß vor den andern, vor den andern / Wir komm’n sechs Fuß unter’n Boden irgendwann mal“, tönt Apsilon stoisch, zuversichtlich und trotzdem eingängig. Doch diese Einstellung Tag für Tag beizubehalten, fällt nicht immer leicht. „Baba sagt ‘Arda, du siehst nicht so gut aus, pass auf‘ / Also pass ich auf, dass er’s nicht sieht / Unsere Väter reden nicht über Feelings, haben sie nie gelernt / Macht es bisschen schwer zu sagen, wenn was schmerzt“, sinniert er später und signalisiert, dass seine Generation ein neues Verständnis von Rollenbildern und mentaler Gesundheit mitbringt.
Zu diesem Clash von verschiedenen Generationen und Lebenswelten passt auch das stimmige Stop-Motion-Video von Valentin Hansen, das verschiedene Protagonisten per Montage im fließenden Wechsel zeigt. „Ein Fuß vor den andern“ zeigt wieder einmal: Apsilon hat Hunger und dieses oft heraufbeschworene „gewisse Etwas“ – und das hat offensichtlich auch Bazzazian erkannt.
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