Empfehlung des Tages: Benoby – In das Blau
Storytelling ist eine Kunst, die im Deutschrap manchmal fast ausgestorben scheint. Während sich in den vergangenen Jahrzehnten viele Artists gerade zu damit brüsteten, lebendige Geschichten in Reimform zu erzählen, so geht der Trend heute in eine andere Richtung. „Relatable“ ist das Stichwort, Hauptsache, das gesagte ist in TikTok-Länge verständlich und kommt bei den Hörer:innen der Gen Z an.
Aber auch heute gibt es sie noch, die Künstler:innen, denen es wichtig ist, das ihre Songs Songs einen roten Faden haben und mehr als nur eine Aneinanderreihung von Hashtags sind. Benoby ist einer von ihnen und seine neue Single „In das Blau“ ist einer dieser Songs, denen man anhört, das hier ein ganzes Herz ausgeschüttet wurde.
Der Sprung ins Blaue
„Auf der Bühne fand ich Licht / Mein Herz begann zu strahlen / Es bleibt Segen und mein Fluch / Den Sprung ins Blau zu wagen“, singt Benoby gleich zu Beginn des Songs. Diesen „Sprung ins Blau“ hat Robert Wroblewski, wie Benoby eigentlich heißt, in seinem Leben gleich mehrmals vollzogen. Etwa als er sich als Kind zweier polnischer Einwanderer im tiefsten Bayern dem Kirchenchor anschloss, ohne bis dahin überhaupt Deutsch zu sprechen. Oder als er mit 14, inzwischen voll und ganz infiziert vom Hip-Hop-Fieber, seinen ersten Auftritt im örtlichen Jugendzentrum hatte. Oder später, nach der Schule, als er sich auf eigene Faust Instrumente wie Klavier, Gitarre, Bass und Saxophon beibrachte und im Lauf der folgenden Jahre zwei eigene Alben an den Start brachte.
Und nun, nach zwei Jahren Corona-Pandemie, die Künstler:innen überall auf der Welt an ihre Grenzen gebracht hat, stürzt sich Benoby erneut „In das Blau“. Auf der neuen Single verarbeitet er seinen bisherigen Lebensweg auf einem Beat aus atmosphärischen Synths und reduzierten Drums. „Fühl mich leer, mit der Miete wird es knapp / Doch lüge meinen Vater an, dass alles endlich passt / Beziehungen verkackt, weil ich mit mei’m Kopf woanders war / Denn wenn ich mal nach hause komm, mache ich es nur als Star“, rappt Benoby mit einer Stimme die in ruhigen Momenten fast an Ski Aggu erinnert.
Genauso gibt es aber auch Passagen, in denen der Musiker sich mit voller Inbrunst in seine Zeilen stürzt, emotional aufbraust und dann fast wie Goldroger klingt, der ja auch Vollprofi in Sachen melancholischer Rap ist. Besonders spannend ist dann die zweite Hälfte des Songs: Hier weicht die ruhige Atmosphäre explosiven Breakbeats, flatternden Vocal-Schnipseln und dröhnende Bässe, die dem Song ein würdiges Finale bescheren.
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