Empfehlung des Tages: Billotin – Nackt
Der Titel „Nackt“ vermittelt schon: Das wird wahrscheinlich ein ehrlicher Song. Richtig geraten, Billotin setzt sich in seiner ersten Single ganz offen mit seinen Problemen, eine funktionierende Beziehung zu finden, auseinander und spricht damit der von Situationships geplagten Gen Z aus der Seele. Er beschreibt, wie beide Parteien wissen, dass es für Liebe eigentlich nicht gut genug passt, aber die Angst vorm Alleinsein lähmt sie. Keine Entscheidungen, nur Fragen: „Wären gerne Freunde, warum liegst du jetzt nackt neben mir?“
Dabei bleibt vor allem das fuzzige Gitarrenriff im Kopf, das im Kontrast zum smoothen Pop-Instrumental steht. Gegen Ende hat die Gitarre sogar so etwas wie ein Mini-Solo, das klingt wie Kabels, das nicht richtig in den Gitarreninput gesteckt wird – was die Connection-Probleme im Text ganz schön widerspiegelt.
Therapie durch Songwriting und Abgeschiedenheit
Aber wer ist eigentlich dieser Billotin, der es wagt, uns schon in seiner Debüt-Single so ungeschönt den Spiegel vorzuhalten? Ein junger Singer-Songwriter, Billotin ist der Nachname, René der Vorname. Den Song „Nackt“ nahm er gemeinsam mit dem Produzenten Aljoscha Christenhuß in einer Hütte in Schweden auf. Die Abgeschiedenheit schien dabei hilfreich gewesen zu sein, seine Gefühle und Lebensumstände zu reflektieren.
Als Billotin nach dem Studium nach Hamburg zog und ein Praktikum begann, merkte er bald, dass er sich auf Musik konzentrieren muss, sonst drohte seine mentale Gesundheit, ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen: „Heute weiß ich: Das war ein klares Warnsignal, es war alles zu viel… Vor allem habe ich mich zu wenig um die Dinge gekümmert, die mir wirklich wichtig waren. Ich habe meine Musik schleifen lassen und die Unzufriedenheit darüber hat sich in diesen Ängsten und Panikattacken geäußert.“ Gut, dass er das erkannt hat und uns ab jetzt mit mehr Musik beliefern wird. Seine erste EP mit dem Titel „Extroinvertiert“ erscheint im Juni.
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