Empfehlung des Tages: Brimheim, eee gee – Brand New Woman
Helena Heinesen Rebensdorff aka Brimheim scheint vor einem Umbruch in ihrem Leben zu stehen – oder einen solchen gerade zu verarbeiten. Auf ihrem gefeierten Debütalbum aus dem letzten Jahr schmetterte die Newcomerin noch: „I can’t hate myself into a different shape!“. Die übergroße Alt-Pop-Hymne zum Albumtitel klang grandios und energisch, aber auch ziemlich schmerzhaft und gebrochen. Mit der „different shape“, die sie sowieso nie sein wird, scheint Brimheim jetzt abgeschlossen zu haben. Stattdessen präsentiert sie sich auf ihrer neuen Single selbstbewusst als „Brand New Woman“.
Suburban Housewife Nightmare
Was erstmal klingt wie das Versprechen irgendeiner Abnehm-Kur, ist eigentlich ein Befreiungsschlag von genau solchen gesellschaftlichen Ansprüchen und Konventionen. Die neue Frau beschreibt Brimheim als „suburban housewife nightmare“ – eine Verwandlung, die sich auch im Musikvideo spiegelt. Hier schrubbt die Musikerin zu Beginn noch die Fliesen im Badezimmer, stochert ganz „Lady-like“ in ihrem Nachtisch, bis sie merkt, dass dieses Modell für sie nicht aufgeht. Unterstützt wird sie dabei von Eee Gee – noch so eine spannende Indie-Pop-Newcomerin aus Dänemark, mit einer Stimme, die fast genauso bemerkenswert klingt, wie die ihrer Gastgeberin.
Musikalisch und inhaltlich klingt das wie gemacht für alle, die aktuell Boygenius, Haim oder auch die Wiedergeburt von The Beaches abfeiern: Kräftiger Indie-Pop, der in der Hook mit ein paar Synthie-Spritzern so richtig zu strahlen beginnt. Gemeinsam mit der letzten Single „Literally Everything“, die noch spürbar elektronischer ausfiel, macht Brimheim uns immer mehr Lust auf ihr zweites Album, dass sie am Mittwoch angekündigt hat. Das kommende Projekt heißt „Ratking“, soll am 22. März 2024 erscheinen und Brimheims Reise von einem angepassten, fügsamen Teil der Gesellschaft zur befreiten „Brand New Woman“ nachzeichnen.
Hier gibt’s täglich neue Songempfehlungen:
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.