Empfehlung des Tages: Brimheim – Literally Everything
Egoismus ist keine schöne Sache – absolute Selbstaufopferung aber auch nicht. Das musste auch die dänisch-faröische Musikerin Brimheim in ihrem Leben immer wieder feststellen, egal, ob es um private Beziehungen oder ihren Weg in die Musikbranche ging. Entsprechen persönlich ist ihr neuer Song „Literally Everything“, ein reduziertes Alt-Pop-Stück, das sich um genau diese Thematik dreht: Die Bereitschaft, für einen Funken Anerkennung buchstäblich alles aufzugeben.
„Ich fühlte mich unsicherer als je zuvor“
Brimheim veröffentlichte 2020 erste Songs und die EP „Myself Mispelled“, die ihr bereits erste Aufmerksamkeit in ihrer Heimat Dänemark einbrachte. Spätestens mit ihrem 2022 erschienen Debütalbum „Can’t hate myself into a different shape“ und dem dazugehörigen Titeltrack wurde Brimheims seidig schmeichelnde Stimme und ihr gewaltiges Songwriting dann auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt.
Das, was sich die Musikerin immer gewünscht hatte, wurde Realität – und genau darin lag das Problem. Brimheim erinnert sich an diese Zeit mit gemischten Gefühlen: „Mein lebenslanger Traum davon, eine erfolgreiche Künstlerin zu sein, wurde Realität, aber ich fühlte mich unsicherer als je zuvor. Dieser kleine Funken Berühmtheit war so verlockend, dass ich naiver Weise mein gesamtes Dasein daran gebunden habe. Ich erinnere mich daran, ein einzelne negatives Review meines Debüts zu lesen, inmitten von einer Welle an positiven Berichten und herzlichen Nachrichten von meinen Fans, und es hat mich völlig vernichtet. Es war brutal, mich damit zu konfrontieren, wie wackelig mein Selbstbewusstsein tatsächlich war.“
Großer Schmerz schafft große Kunst
Eine prägende Erfahrung also, die Brimheim in ihrer ersten Single seit ihrem Debütalbum nun verarbeitet. „Literally Everything“ knüpft nahtlos an den minimalistischen Alternative-Pop von „Can’t Hate Myself…“ an – die Künstlerin nutzt immer nur so viel, wie sie wirklich braucht, immer wissend, dass ihre Stimme ihr stärkstes Instrument ist. Also umgibt sie sich nur mit sparsamen Drum Computer-Beats, mit schwindelerregenden Synthesizer-Klängen, die immer nur kurz vom Licht erfasst werden. Umso nachdrücklicher hallen ihr Worte nach: „I’ll spill my guts to make some room for you to fill me up“. „Literally Everything“ ist also nicht nur ein stimmiger Indie-Pop-Song, sondern vor allem eine Erinnerung daran, dass die schönste Kunst manchmal aus den schwierigsten Erfahrungen entsteht.
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