Empfehlung des Tages: Castillo – Manitu x Prometheus
Viele Menschen würden wohl ihren Liebsten gerne einmal in den Kopf oder viel mehr ins Herz schauen. Die Band Castillo gibt in ihrem neuen Doppelmusikvideo buchstäblich einen Einblick in dieses Organ – und offenbart eine Welt voller Liebe, Verzweiflung und Begeisterung gegenüber der griechischen Mythologie.
Das Video, vielmehr ein Kurzfilm, ist eine Fusion der beiden Singles „Manitu“ und „Prometheus“ – und erzählt die Geschichte eines Menschen, der an unerfüllter Liebe vergeht. So beginnt „Manitu“ mit den heimlichen Gedanken an Menschen, die man nicht ausstehen kann und solche, für die dafür umso mehr Gefühle da sind. Doch dadurch, dass all diese Emotionen unterdrückt werden, kommt eine tiefe Verzweiflung auf. Diese gipfelt darin, dass Sänger Max Reckleben das Orakel von Delphi regelrecht anfleht, ihm den Weg zu leiten.
Castillo – Manitu x Prometheus
In „Prometheus“ kippt die Stimmung dann und schlägt in eine zerstörerische Liebe und Selbstverschwendung um. Wer im Geschichtsunterricht gut aufgepasst hat, erkennt ein Muster, denn genau wie das Orakel von Delphi ist auch Prometheus Gegenstand der griechischen Mythologie.
Dieser hat sich der Sage nach mit Göttervater Zeus angelegt und eine harte Bestrafung erlitten: Jeden Tag bekommt er von einem Adler seine immer wieder nachwachsende Leber bei lebendigem Leib aus dem Körper gefressen – so in etwa fühlt sich der Sänger wohl in Bezug auf seine unglückliche Liebe.
Im Herzen von Castillo
Dieser Hang zur Dramatik gipfelt in einem Musikvideo, das seinesgleichen sucht. Denn ganz nach dem Motto „Viel hilft viel“ legt das Video in jeder Hinsicht einen drauf – und setzt die Zuschauer:innen einer völligen Reizüberflutung aus. Der Clip findet wie bereits erwähnt im wahrsten Sinne des Worte im Herzen des Sängers statt. Während es dort während „Manitu“ noch rosig ist und sowohl Freude als auch Hoffnung ausgestrahlt wird, wendet sich der Spieß in „Prometheus“ und das Herz wird schwarz und düster – ebenso wie die Musik von Castillo.
Atmosphärische Visualisierungen jagen wilde Animationen, in allen Farben des Regenbogens – man muss das Video selbst gesehen haben. Ebenso schwierig ist auch der Sound der Band zu beschreiben. Mit einem wilden Mix aus Deutsch-Pop, Indie-Rock, Bilderbuch-Unkonventionalität und Queen-Pathos tut das Trio alles dafür, nicht in eine Schublade gesteckt zu werden – und das, wie wir sehen, sehr erfolgreich. Mehr von Castillo gibt es im Übrigen auf der am 10. Dezember erscheinenden „Honig“-EP.
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