Empfehlung des Tages: Cloudy June – Mommy Issues
Ohne jetzt sexistisch klingen zu wollen, kann man schon festhalten: Wenn Männer (zumindest die Cis-Heten) über Sex singen, wird das meistens übergriffig, creepy oder ein metaphorischer Coitus interruptus. Zum Glück haben dieses Themenfeld in den letzten Jahren viele junge, oft queere Songwriterinnen übernommen. Eine davon ist die in Berlin lebende Cloudy June. Die Sängerin und Songwriterin mit kubanischen Wurzeln haut schon seit 2020 elektronische Pop-Songs raus, die perfektes Radiomaterial wären – wenn sie nicht immer so explizit, angriffslustig und sexuell aufgeladen wären. Was man den Chartrappern mit ihren unterschwellig pimmeligen Lines im Jugendradio immer durchgehen lässt, sorgt bei vielen Programmverantwortlichen nämlich für rote Ohren, wenn eine junge Frau über queeren Sex singt. Cloudy June scheint dabei eine diebische Freude an Songs zu haben, die man vergnügt mitsummen kann, bis man plötzlich denkt: „Hat sie das gerade wirklich gesungen?“
@cloudyjune the 4th one just hits different #fyp #fuinmyhead #bi ♬ FU In My Head – Cloudy June
Internationale Fanbase dank TikTok
Damit hat sich Cloudy June in nur wenigen Jahren eine stetig wachsende und erstaunlich international wirkende Fanbase aufgebaut. Was nicht nur an guten Songs wie „FU In My Head“, „Kill Your Darling“ oder „Pretty Pills For Broken Hearts“ liegt, sondern auch an ihrem TikTok-Game. Da ist sie nämlich nicht nur sehr aktiv, sondern auch verdammt unterhaltsam. Zum Beispiel, wenn sie mal wieder bei Spotify checkt, wie die Playlists heißen, in denen ihre Songs so landen. Da freut sie sich dann verwegen lächelnd über Playlisten wie „Hot lesbian villian with a god complex“, „Queer coded villains made me gay“ oder „There are two wolves inside you: one eats men, the other eats pussy. They are both lesbians“.
„When I call the shots, you call me / Mommy.“
Man darf davon ausgehen, dass Cloudy June es auch und vor allem mit ihrer aktuellen Single in diese Playlisten geschafft hat. Wobei man sagen muss: „Mommy Issues“ funktioniert lyrisch und musikalisch ebenso für Cis-Männers. Mit ihre smoothen Stimme singt Cloudy June auf einem minimalistischen, aber ungemein catchy klingenden Electrobeat und dezent knurrenden Synths: „When I say kinky I don’t mean curls / When I say give me, I mean the world / When I say baby you bite your lip / I know exactly where you get your kicks / Because / Baby I’m giving you the mommy issues / Know I make you wish I put my body on you / Say you’d give me anything / When I call the shots, you call me / Walk into the room and you get mommy issues / The way I move makes you follow my rules / You want me to pull the strings / When I call the shots, you call me / Mommy.“
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Vom Death Metal zur Pop-Hoffnung
Noch ein Fun-Fact zum Schluss: Bevor Cloudy June uns diesen unwiderstehlichen, expliziten Pop-Entwurf schenkte, war sie eher im Metal und sogar im Death Metal unterwegs. In einem älteren Interview erzählte sie, wie sie mit 16, als sie das erste Mal Teil einer Band wurde, am liebsten Judas Priest, AC/DC und Led Zeppelin hörte, mit Arch Enemy dann aber noch härteren Stoff entdeckte. Sie sei sogar eine respektable Death-Metal-Grunzerin und könne auch amtlich kreischen. Ihren allerersten Song schrieb sie dabei schon mit 13 – was damals aber auch schon ein Popsong war. Im Mai wird Cloudy June übrigens dann endlich ihre aktuellen Pop-Songs live vorstellen können – präsentiert von DIFFUS.
18.05.2022 Hamburg, Hebebühne
19.05.2022 Berlin, Maschinenhaus
25.05.2022 München, Orangehouse
27.05.2022 Köln, MTC
28.05.2022 Frankfurt, Nachtleben
Tickets gibt es hier.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.