Empfehlung des Tages: Dellé – Verloren
Die Stimme des Berliner Musikers Dellé kennen bestimmt viele, auch wenn sie den Namen dazu vielleicht nicht direkt parat haben. Denn Frank Dellé ist Gründungsmitglied der Berliner Reggae- und Hip-Hop Crew Seeed und mit seinem Singjay-Gesangsstil ein essentieller Teil von Seeeds Soundästhetik . Aber auch als Solo-Künstler hat sich Dellé bereits einen Namen gemacht. In seiner Musik verarbeitet Dellé viele persönliche Lebenserfahrungen und nutzt sie oft, um auf soziale Missstände aufmerksam zu machen. So auch auf seiner neuen Charity-Single „Verloren“, die er als Antwort auf das Geheimtreffen der AfD in Potsdam und den Rechtsruck in Deutschland schrieb.
Ein Zeichen gegen Rechts
Als Katalysator für „Verloren“ nennt Dellé den Moment, als seine Tochter ihn gefragt hatte, ob sie Deutschland nun verlassen müsste, weil „Leute“ sich getroffen und dies besprochen haben. Die Rede ist vom AfD-Geheimtreffen in Potsdam, das Anfang diesen Jahres an die Öffentlichkeit kam, und bei dem die rassistische Idee einer „Remigration“ besprochen wurde. Als Deutscher mit ghanaischen Wurzeln ist Dellé, und im Umkehrschluss seine Familie, genau im Visier dieser Verdrängungsidee. Dazu kamen dann die erschütternden Ergebnisse der Europawahl, die aufzeigten, dass ein breiterer Teil der Gesellschaft mit rassistischen Parteien sympathisiert, als es vor ein paar Jahren noch vermutet war. Dellé nahm sich deswegen mit „Verloren“ das Ziel, nicht die große Politik anzuprangern, sondern auf persönlicher Ebene die Leute zu adressieren, die sich offen für den Rechtsruck zeigen.
Das Video des Reggae-Popsongs hält sich dementsprechend schlicht. Alles ist Schwarz-Weiß, nur Dellé im Fokus, während er die Zeilen „Find‘ keinen Schlaf, hab‘ Angst, dass es wirklich passiert / Dass meine Freunde gegen mich auf der Straße marschieren / Gestern hab’n wir noch zelebriert / Doch morgen könnt ich auch dich verlieren“ in die Kamera singt. In seiner Produktion erinnert „Verloren“ dabei an den Berliner Sound von Seeed, nicht zuletzt dank seinem Mix aus Reggae, Hip-Hop und Pop und natürlich dem Produzenten Guido Craveiro. Trotzdem ist es doch auch ein ernüchternder Track, der mit den Worten „Hab‘ dich verlor’n“ endet, während Dellé im Video den Frame verlässt und der Hintergrund der Wannsee-Villa in Potsdam klar wird.
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