Empfehlung des Tages: Dottie Andersson – I love being sad
Es gibt viele Gründe für eine Trennung – Eifersucht, Untreue, mangelnde Kommunikation. Aber wurdet ihr schon einmal verlassen, weil ihr einfach nicht glücklich genug wart? Genau das ist Dottie Andersson passiert: Mit den Worten „Du bist zu traurig für mich“ wurde sie abserviert. Nach einiger Introspektion fiel der Künstlerin auf, dass da vielleicht sogar etwas dran ist: Denn Traurigkeit, so sagt sie, sei schon immer eine Konstante in ihrem Leben gewesen. Anstatt sie aber zu verbannen, widmet sie ihrer Traurigkeit nun einen Song. Im Refrain singt sie: „Being sad is the best thing that I ever had“ und holt sich damit die Deutungshoheit zurück.
Dottie Andersson: Der schwedische Vampir
In ihrer Spotify-Bio bezeichnet sich Dottie Andersson als „schwedischer Vampir“. Geboren in Småland, greift Andersson ihre Herkunft auch im größtenteils selbst konzipierten Musikvideo auf. Gemeinsam mit Regisseur Urs Mader, der bereits mit Mark Forster gearbeitet hat, inszeniert sie passend dazu eine düstere und zugleich verspielte Szenerie. In langem schwarzem Mantel tanzt sie im schwachen Licht über einen Friedhof. Mal weint und schreit sie im Auto, mal zwinkert sie verschmitzt in die Kamera. Es wirkt, als wolle sie zeigen, dass sie die Traurigkeit wie einen alten Freund schätzt.
„I love being sad“
Für „I love being sad“ hat sie mit dem Produzenten Ben Jackson-Cook zusammengearbeitet und einen rohen, melodischen Sound geschaffen. Getragen wird der Song von einem minimalistischen Instrumental: Ein dynamischer Basslauf, rhythmische, leise Hi-Hats und einzelne Pianotöne. Darüber liegt Dotties sanfte, leicht hallige Stimme, und lässt eine melancholische und zugleich wohlig-warme Atmosphäre entstehen.
Mit Vorbildern wie Bon Iver, Caroline Polachek oder Phoebe Bridgers prägt Dottie das Genre „Garage-Pop“ und verleiht ihm eine eigenwillige, nordische Note. Bevor sie als Solo-Songwriterin startete, machte sie mit ihren jüngeren Geschwistern in der Band „Ason“ Musik. Außerdem begleitete die studierte Schlagzeugerin Bands wie Giant Rooks auf Tour. Seit 2020 steht sie mit ihrem Soloprojekt für einen Sound, der Verletzlichkeit nicht versteckt, sondern feiert und Traurigkeit zur Stärke erklärt.
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