Empfehlung des Tages: Elias – 3Uhr19
Elias ist Newcomer aus Köln und aktuell noch ein ziemliches Mysterium. Erst seit dem April finden sich Spuren des jungen Musikers im Netz, erste Singles, die schon beeindruckend stilsicher ausfallen. Sein Alternative Pop ist im Deutschrap verankert, aber schon jetzt drauf und dran, über klassische Songstrukturen und Konventionen hinauszuwachsen. Die neue Single „3Uhr19“ ist wieder so ein besonderes Stück, das uns mit seiner Spoken Word-Melancholie sachte zum Innehalten bringt.
Stille Musik für eine laute Zeit
Wir stecken mitten in einem ausgewachsenen Hype um elektronische Rave-Musik, die vermehrt auch in Pop- und Rap-Produktionen Einzug hält. Aber auch wenn überall die BPM in die Höhe schießen und kein Synthie laut und schrill genug ist, gibt es noch Ecken, wo Musik still, leise und zart sein darf. In besagten Ecken findet man Elias – einen Newcomer aus Köln, der gerade drauf und dran ist, uns in seinen Bann zu ziehen. Informationen über das Musik-Talent sind rar gestreut: Zu Beginn war sogar sein Gesicht unbekannt, inzwischen kann man ab und zu einen Blick darauf erhaschen. Ansonsten wissen wir nur, dass Elias Mitte 20 ist, Berlin als seine Wahlheimat auserkoren hat und dass er schonmal unter einem anderen Namen andere Musik veröffentlicht hat. Diese war damals noch am kommerziellen Pop-Mainstream orientiert – doch mit seinem neuen Projekt kehrt Elias diesem den Rücken.
Es ist eine echte Kehrtwende um 180 Grad: Elias fängt an, eigene, vertrackte Produktionen zu basteln, statt in High-Tech-Studios zu verkehren. Er wirft Songstrukturen, die sich nur von einem 16er zum nächsten hangeln über Bord und beginnt, nur noch das niederzuschreiben, was seine Seele bewegt. Der Neustart mündete im September bereits in der starken Debüt-EP „Wie lässt man los?“, für die folgende Single „Was ist das für ein Gefühl?“ konnte Elias dann den Rapper Apsilon gewinnen, der auf seinem Weg zu authentischen, deutschen Texten ein wichtiges Vorbild war.
Nun macht Elias mit der Single „3Uhr19“ weiter – diesmal solo, aber nicht weniger schön. Der Song basiert auf schweren, andächtigen Klavier-Akkorden, über die Elias Gedankenströme nur so aus ihm hinausfließen: „Ich mach’ Songs über wie ich mich grad fühl / Obwohl ich dir nicht mal sagen kann, wie ich mich grade fühl“. Dazu kommt eine fragile Kopfstimme, die an internationale Musik-Pioniere wie Bon Iver, Francis And The Lights oder Frank Ocean erinnert. Damit Songs wie „3Uhr19“ ihre Wirkung entfalten, muss man ganz bewusst zuhören, ohne paralleles Swipen auf drei Geräten und Hintergrundrauschen. Wer sich darauf einlässt, bekommt eine Oase der Entschleunigung, wo emotionale Mauern zusammenbrechen und ein vielversprechender Newcomer seine ersten Schritte geht.
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