Empfehlung des Tages: Emma Elisabeth – Tray Full of Ash
„Tray Full of Ash“ – eine Schale voller Asche, bestehend aus den längst zu Staub zerfallenen Erinnerungen vergangener Zeiten, die krampfhaft im Kopf beisammengehalten und um keinen Preis dem Wind, dem Laufe der Zeit, hingegeben werden. Den Overthinker:innen unserer Gesellschaft spricht Emma Elisabeth mit ihrer neuen Single tief aus der Seele: In der Vergangenheit leben ist eine gefährliche Sache. Der eigene Kopf wird schnell zu einer Spirale aus irrationalen Verlustangstgedanken, die zur Romantisierung von lange vorübergegangenen Ereignissen führen. Man möchte loslassen, aber um Gedeih und Verderb die Vergangenheit konservieren. So sehr, dass die Gegenwart eingeschränkt wird.
Die 37-Jährige Schwedin Emma Elisabeth eröffnet mit „Tray Full of Ash“ die Tore zu ihrem tiefsten Inneren und gibt intime Einblicke in den inneren Kampf zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Menschen von früher schwirren als Geister in ihrem Kopf umher, der nicht bereit ist, diesen Spuk zu beenden. „Everything around me is covered up in sheets / Trying to keep the dust off all my memories / Empty and abandoned, everything I see / Would you shake the dust off all my memories?“ Die Sängerin selbst bezeichnet diese in ihrer Brust wohnendende Melancholie als herkunftsbedingten „Skandinavian Pain“, den sie trotz ihrer Weltoffenheit und dem Wahlwohnort Berlin, niemals loswerden wird, wie sie sagt.
Emma Elisabeth – Tray Full of Ash
Emma Elisabeth berührt durch ihre poetischen Texte und den bezaubernden, schwebenden Sound so tief, dass „Tray Full of Ash“ sich neben den ganzen Geistern im eigenen Kopf einnistet und gemeinsam mit dem Musikvideo zum Reflektieren anregt. Denn in diesem wird die beschriebene Atmosphäre um ein Vielfaches verstärkt und durch einen hoffnungsvollen Ausblick auf Freiheit ergänzt. Man begleitet Emma Elisabeth als Braut beim Weglaufen vom Altar und einem Roadtrip entlang der Küste zum Meer, der auf einer Metaebene die Reise zur eigenen Freiheit der Gedanken darstellt. Im Laufe der Reise beginnt die Sängerin sich mit sich selbst und ihren eigenen Gedanken zu versöhnen und kann am Ende mit einem Sprung ins kalte Wasser – samt Brautkleid, das sinnbildlich für die Lasten der Vergangenheit steht – hoffentlich auch die letzten Staubschichten aus ihrem Inneren verbannen.
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