Empfehlung des Tages: Engin – Ich träum von allem außer dir
Träume können echt abgefahren sein – und doch reflektieren sie ja in irgendeiner Weise, was tagsüber in unseren Köpfen vorgeht, egal in welch wirrem Szenario das sich dann niederschlagen mag. Wenn also die Person, die man vermeintlich liebt, nicht in den Träumen vorkommt, hat das etwas zu bedeuten? Das fragt sich die deutsch-türkische Indie-Band Engin in „Ich träum von allem außer dir“.
Können Träume lügen?
„Es geht um nächtliche Zweifel an der Wahrhaftigkeit der Liebe zu einem Partner“, fasst die Band zusammen. Sänger Engin Devekiran, der dem Projekt seinen Namen gibt, fliegt im Text durch wirre Träume, von Stränden aus Reisekatalogen bis zu Schwarzen Löchern – doch nie taucht die Person auf, von der er glaubt, er liebe sie. Und das gibt ihm zu denken: Sind diese Gefühle doch nicht echt? Können Träume lügen? Oder ihm vielleicht doch sogar Klarheit liefern?
Nur von einer Akustik-Gitarre begleitet, rückt dadurch der Fokus auf den Text, der lebhafte Bilder sowie Wortspiele wie „Da war ein Bett, darin lag Bonnie / und ich im Kleid (Clyde) nebendran“ bereithält. Die Gitarre und ihre Akkordfolgen geben dem Song einen gewissen Charme, wie aus alten Folk- und Liedermacher-Songs.
Die nachdenklichste Phase der Nacht
Und als so reduzierte Ballade setzt die Mannheimer Band damit auch einen bewussten musikalischen Kontrast zu den anderen Tracks ihres am Freitag veröffentlichten Debütalbums „Nacht“, die eher nach Indie-Pop und Rock klingen. Alle Songs darauf drehen sich um all das, was die Nacht zu bieten hat und was in dieser Phase zwischen Nachmittag und dem nächsten Morgen geschehen kann – im Fall dieses Tracks eben dieser Moment, in dem man, zwischen zwei Träumen gefangen, nachdenklich im Bett liegt.
Hier gibt’s täglich neue Song-Empfehlungen:
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.