Empfehlung des Tages: Gerd – Stay.
Zugegeben, Gerd klingt zwar eher wie der Vorname deines alten Biologielehrers, dahinter verbirgt sich aber eine junge Newcomerin aus Schweden. Die Singer-Songwriterin konnte sich mit ihrer ersten EP schon einen Namen in der Indie-Welt machen, so gewann sie etwa letzten Freitag den schwedischen Radiopreis als „Beste Newcomerin“. Ihre Musik ist eine Mischung aus alten und neuen Elementen: „Ich liebe es, klassische Orchester, riesige Chöre und elektronische Pads mit düsteren Texten zu vermischen.“ So entsteht eine an Florence + The Machine erinnernde Art von Baroque-Pop, die auf ihr Debütalbum gespannt macht. Der erste Vorbote daraus ist „Stay.“.
„Stay.“ lebt von starken Kontrasten. Zuerst geht man von einem ruhigen, reinen Chamber-Pop-Song aus, bis man im Refrain von fetten, elektronischen Hits erschlagen wird. Diese intensive Dynamik hebt das Drama des Songs an, das ohnehin schon durch ihren theatralischen Gesang transportiert wird. Man hört Gerds Stimme die Erfahrung in Chor, Musical und Oper an; prätentiös und verkünstelt wirkt das aber nicht. Weil Gerd weiß, wie man einen einprägsamen Popsong schreibt, der gleichzeitig modern ist und einen alten Charme bewahrt. Auch die Produktion ist geschmackvoll, jedes Instrument klingt authentisch klassisch, die Verbindung mit den elektronischen Elementen wirkt aber total natürlich.
Das erzeugte Drama ist auch gerechtfertigt, so dreht sich „Stay.“ um den emotionalen Verwirrungszustand gegen Ende einer Sommerliebe, die Unsicherheit, ob es sich zu mehr entwickeln kann: „Der Song ist im letzten Abschnitt des Sommers angesiedelt. Die Angst, am Ende wieder allein dazustehen, kriecht schon in einem hoch. Die sommerliche Schwärmerei ist vorbei und jetzt stellt sich für beide die Frage, ob man eine echte Beziehung aufbauen will. Ob bis zur Ankunft des Herbstes daraus etwas Ernsthaftes geworden ist, das in den Herausforderungen des Alltags bestehen kann. Ist man gewillt zusammenzubleiben in einer Welt, die sich ständig verändert?“ Für Gerd aber ist es klar: „I want you to stay“.
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