Empfehlung des Tages: Grim104 – Komm und Sieh
Auf seinem letzten Solo-Album „Das Grauen, das Grauen“ hat Zugezogen Maskulin-Rapper Grim104 von den tiefste Ängsten und Abgründen der Menschen berichtet. Der neue Song „Komm und Sieh“ ist nun eine Horror-Geschichte der etwas anderen Art: Eine von den Schrecken der deutschen Vergangenheit, die trotzdem untrennbar mit der Gegenwart verknüpft sind.
„Lichter aus – Mein Vater kotzt Geschichte aus“ – und Grim104 tut es ihm mit seiner neuen Single gleich. Das kann er schließlich am besten, Bilder mit Worten malen, nicht viel weniger ein Dichter wie auch ein Rapper. Die Bilder, die Grim mit „Komm und Sieh“ malt, sind keine schönen: „Scheitel streng und Stimmen feldgrau, Himmel helblau / Weiße Torarollen glimmen gelb auf, werden zu Rauch / Raureif und Schnee, blaue Lippen und Zeh’n, Wolken im Tee / Milch und Kluntjes, rauschender Wind, alles vergeht“.
„Denn als ich eins war, war Hitler Hundert“
Der Rapper erinnert sich an die Ostfront des Zweiten Weltkrieges, als wäre er selbst marschiert. Gemeinsam mit dem sphärischen Beat von Ahzumjot entsteht so eine tiefe Beklemmung. Man möchte all das am liebsten von sich weg schieben, aber so einfach ist das nicht. Die Traumata der deutschen Vergangenheit sind untrennbar mit dem Hier und Jetzt verwoben, das wird in der Hook deutlich: „Denn als ich eins war, war Hitler Hundert / Spür seine Hände in meinen Haar’n, kalte Finger, sie wandern mein Gesicht hinunter / Alles geht unter, fällt in Schlaf und tiefen Schlummer / Das Land der gefrorenen Zeh’n und tättowierten Nummern“.
Von großen Reichen und ihren Ruinen
Dieses „Land der gefrorenen Zeh’n“ fügt sich schon jetzt in die thematische Welt von Grims kommendem dritten Album „Imperium“. Ob es das deutsche Reich ist oder die Videothek von nebenan: Jedes Imperium muss untergehen, mal mit einem tobenden Aufbäumen, mal ganz sang- und klanglos, und hinterlässt Ruinen, über die wir noch heute stolpern.
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