Empfehlung des Tages: Gwen Dolyn – Mies präpariert
Die NNDW-Sängerin Gwen Dolyn hat es vor geraumer Zeit von Berlins Großstadtrubbel in das überschaubarere Chemnitz verschlagen. Ob es die dortige, anscheinende Ruhe war, die Gwen kreativ beflügelt hat? Vielleicht. Musikalisch läuft es jedenfalls weiterhin gut. Vorher noch mit den Toyboys zusammen musiziert, ist sie 2023 Teil des Indie-Pop Duos Tränen geworden. Aber auch als Solo-Artist ist Gwen alles andere als unproduktiv. Mit ihrer neuen Single „Mies präpariert“ liefert sie uns heute eine kleine, grungige Hymne für den Sommer und die Delulu Girls unter uns. Zu einer verträumten E-Gitarre und vorantreibenden Drums ist Gwen Dolyn dabei auf der Suche nach Liebe und finanzieller Sicherheit. Und das nie ohne ironische Untertöne.
Mit Aspirin, Benzos und Honig durch die Nacht
Gwen Dolyn ist einfach mies auf dieses Leben vorbereitet, während „Girls in [ihrer] Playlist“ mies präpariert mit Benzos durch die Nacht ziehen. Allerdings ist das mies wie in schlecht für Gwen und nicht wie in mega. Gwen sucht in „Mies präpariert“ nämlich nach ihrem Mister Right. Oder so ähnlich, zumindest. Auf dem Grunge-Pop Track nimmt Gwen nicht alles ernst und ist irgendwo zwischen Rationalität und Fantasie gefangen. In einem Moment will sie das eine und im nächsten schon nichts mehr damit zu tun haben.
„Schöner Mann, ich will kein Geld, ich will die Sicherheit / Ohne Kampf hier sein zu können, Wo ist mein Brautkleid?“, fragt Gwen das Subjekt bzw. hier vielleicht eher Objekt ihrer Begierde, das ihrem Leben irgendwie Stabilität verleihen soll. Darauf malt sie ein sich teils widersprechendes Bild ihrer Gedankengänge: „Lieben, Rummachen, Aspirin, Geh weg, Schaden / Küssen, Anfassen, Toben, Aspirin, Honig, Haut“, während im Hintergrund die Frage „Was soll ich tun?“ nachhallt. Ähnlich wie ihre klanglichen Vorbilder The Strokes, The Libertines und Arctic Monkeys spielt Gwen mit der Idee von Selbstreflexion, während der englische Refrain „This is painful, this is not my blood / What do you want me to do now?“ auch ihre Überforderung damit widerspiegelt.
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