Empfehlung des Tages: Hosenadler – Brandy Melville
Auf „Brandy Melville“, der ersten Single seines am 14. August kommenden Albums „(IQOS) I Quit Ordinary Singing“, verbindet Hosenadler moderne Hip-Hop-Drums mit Samples und Klangfragmenten, die sich aus nostalgischen Kindheitserinnerungen und digitaler Gegenwart zusammensetzen. Klarer als seine Namensbedeutung ist also, wie der gebürtige Karlsruher, den Sound seiner größtenteils selbst produzierten Songs baut: Hier treffen Anime-Soundtracks, frühe „Internetmusik“ und Einflüsse von Künstler:innen wie Burial, Jamie xx oder den Sadboys auf mitreißende Hooks und eine bewusst unkonventionelle Vocal-Performance. On top kommt Hosenadlers – wie der Albumtitel schon erkennen lässt – trockener Umgang mit Popkultur, immer gepaart mit einer gesunden Portion Selbstironie.
In „Brandy Melville“ geht es um eine Fast-Beziehung: Hosenadler hält um 23 Uhr im Kino die Hand von seiner Angebeteten und würde für sie sogar mit dem Rauchen aufhören. Gleichzeitig scheint etwas zu fehlen, um das Glück vollkommen zu machen, denn ganz zu fassen bekommt er sie nicht: „Warum bist du immer die, immer die die rennt?“, fragt sich Hosenadler deshalb im Text. Der Song erscheint gemeinsam mit einem Doppel-Musikvideo zu „Brandy Melville“ und „POV“. Darin irrt Hosenadler in verschwommenen, verfremdeten und verpixelten Ausschnitten durch schwach beleuchtete Landschaft. Er selbst ist nur schemenhaft zu erkennen – alles wirkt ähnlich schwer greifbar wie die besungene Beziehung.
Der Adler ist gelandet
Auf dem elf Track starkem Album gibt Hosenadler nicht nur die gewöhnliche Art zu singen auf, die manche vielleicht aus früheren Releases wie „Error 404“ kennen. Der in Berlin lebende Künstler verarbeitet nämlich auch schmerzhafte Erinnerungen und versucht, nicht an Liebeskummer oder dem Staub der einsamen Großstadt zu ersticken. „Brandy Melville“ bereitet das Ohr schon einmal auf diese eigenwillige Zusammenkunft von Pop, Cloud-Rap, Satire und – wie er es nennt – „schelmischer Poesie“ in Albumlänge vor.
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