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Empfehlung des Tages: Jacke Schwarz – Draußen um die Ecke

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Wer sagt, gute Gitarren-Musik sei längst ausgestorben, hatte am vergangenen Freitag einen triftigen Grund um diese Einstellung zu überdenken: „Witaj“, das Debütalbum des Berliner Musikers Jacke Schwarz ist erschienen und klingt „genau wie damals“. Die elf Songs scheinen direkt dem Blues, Rock und Folk der 60er und 70er entsprungen, versehen mit Texten, die gleichermaßen poetisch und direkt sind. Wer noch Zweifel hat, wird spätestens nach dem zweiten Song überzeugt sein. Denn mit „Draußen um die Ecke“ serviert Jacke Schwarz nicht nur eine treibende Rock ‘n’ Roll-Nummer, sondern widmet sich auch den wirklich wichtigen Fragen des Lebens: Wo ist eigentlich der Dealer abgeblieben?

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Aber erstmal die vielleicht noch wichtigere Frage: Wer ist denn eigentlich dieser Jacke Schwarz? Neben seinem brandneuen Debütalbum ist das Spotify-Profil des Musikers ziemlich leer, bis auf einen Verweis auf das Album „Pisse“ der gleichnamigen Punkband, wo Jacke Schwarz bei dem Song „Zu viel Speed“ seine Finger im Spiel hatte. Bei den Berliner Punkern Eastie Rois wirkt Jacke Schwarz außerdem als Bassist mit und auch das Solo-Projekt Jacke Schwarz existiert bereits seit 2018 – nur eben nicht auf den kommerziellen Streaming-Big-Players. Mit Kommerz hat Jacke Schwarz scheinbar sowieso nicht viel am Hut: „Witaj“ erscheint ohne übermäßigen PR-Zirkus oder überhaupt jegliche Vorab-Singles auf Tomatenplatten, dem Label von Beatsteaks-Mitglied Thomas Götz.

Songs wie „Winde“ oder „Ich will hier raus“ erinnern dabei an die melancholischen Seiten von Rio Reisers Songwriting-Genie und mit dem Titeltrack „Witaj“ sowie „Čas sluša nam“ finden sich außerdem gleich zwei Songs auf Sorbisch, jenem speziellen Dialekt, der ausschließlich in der Lausitz gesprochen wird. Auch diese Stücke kommen trotz Sprachbarriere direkt bei den Hörer:innen an, zum einen wegen der intimen, analogen Beschaffenheit der Aufnahmen, zum anderen wegen Jackes eindringlicher Art zu singen.

„Ich war schon seit Tagen nicht mehr breit!“

Diese kommt auch auf „Draußen um die Ecke“, einem der absoluten Highlights des Albums, zur Geltung. Auch wenn Jacke Schwarz später noch die „Angst vor Fremden“ oder die Qualen der „Fischer von Ouidah“ besingt, geht es hier erstmal um die einfachen, alltäglichen Probleme: „Draußen um die Ecke / Wartet keiner mehr auf mich / Draußen um die Ecke / Lässt mein Dealer mich im Stich“. Mit treibendem Blues-Rock im Rücken und einer Mundharmonika an den Lippen, sinniert Jacke Schwarz irgendwo zwischen komisch und relatable, wo denn nur sein Ticker abgeblieben sei – getürmt, verschanzt, schon längst eingebuchtet? Jackes Jagd nach Stoff wird dabei immer wieder unterbrochen von ausgedehnten Parts, in denen die einzelnen Instrumente sich austoben können. Trotzdem ist der Song nie unnötig komplex, sondern eher wild und ungebändigt, ein Verweis an den Punk-Hintergrund von Jacke Schwarz.

Nach „Schmerzen“ bietet „Draußen um die Ecke“ einen donnernden zweiten Startschuss in dieses Album, das für die folgende halbe Stunde in eine Zeit entführt, die eben nur noch in ganz besonderen Platten wie dieser hier existiert.

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