Empfehlung des Tages: Jolle – Schwarzes Wasser
Zugegeben, es ist noch früh, aber wir hoffen jetzt schon, dass Jolle mal ganz groß rauskommt – ihre Geschichte ist einfach zu gut, um sie nicht in einem Biopic zu verfilmen. Denn eigentlich hat Julia Pettke, wie Jolle eigentlich heißt, einfach nur einen guten Abend in einer Hamburger Karaoke-Bar haben wollen – blöd nur, dass dabei ihr Gesangstalent entdeckt und sie direkt für einen Werbespot gebucht wurde. Mit dem Schwung von diesem Sprungbrett hat Jolle also angefangen, eigene Songs zu schreiben, erstmal auf Englisch, nach einigem Ausprobieren dann aber auf Deutsch.
Der Switch steht ihr gut, das schienen auch die Verantwortlichen beim FLINTA-Label 365xx zu finden, die Jolle vor einigen Monaten unter Vertrag genommen haben. Schon die ersten Singles bei ihrer neuen Labelheimat hatten es uns angetan: „Große Freiheit“ und „Grundrauschen“ sind eine Symbiose von alternativem Deutschpop und Rave-Soundtrack zwischen DJ Heartstring und Bicep. Bei aller Feierei sind beide Nummern durchaus stark getextet – ein Umstand, der auf Jolles neuester Single „Schwarzes Wasser“ in den Vordergrund rückt.
Schwarzes Wasser und Beton
„Ich fall in schwarzes Wasser / Beton in meinen Schuhen, ich such den Grund“, singt Jolle hier im Refrain und fasst damit in ziemlich konkrete Bilder, wie sich der tagtägliche Kampf mit der Depression anfühlen muss. Passend zum Titel „Schwarzes Wasser“ erinnert das Instrumental ein wenig an den elektronisch flimmernden Beat von Kendrick Lamars „Swimming Pool“ oder auch den frostigen Großstadt-Pop von Paula Hartmann. Aber bei aller Musikalität sind es doch die Zeilen, die Jolle so kristallklar singt und die sich wie ein Faustschlag in die Magengrube anfühlen: „Mich hat niemand gefragt / Ob ich’s hier überhaupt mag / Kein Gefühl mehr für Farben / Ich seh’ überall schwarz“. Wenn man über das flaue Gefühl hinweg ist, das diese Worte hinterlassen, bleibt ein gewisse Vorahnung: Für Jolle könnte es im Deutschpop noch weit nach oben gehen.
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